es logo schrift de483Pressemitteilung, Bonn, 18. September 2014

EUROSOLAR: Agora-Untersuchung basiert auf umstrittenem Bedarfsplan und ist daher keine Antwort auf die aktuelle Frage, ob Speicher den überzogenen Übertragungsnetzausbau vermeiden können

 

Am 15.09.2014 wurde von „Agora Energiewende“, einer gemeinsamen Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation, eine Untersuchung mit dem Titel „Stromspeicher in der Energiewende“ vorgelegt. Diese Untersuchung, zu deren „Unterstützerkreise“ unter anderen auch der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH gehörte, kommt zu dem Ergebnis, dass „der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht auf Stromspeicher warten muss“, dass aber Stromspeicher einen „gleichberechtigten Zugang zu Märkten der Flexibilität“ und eine Berücksichtigung in regulatorischen Rahmen für Verteilnetze erfahren sollten. Die Untersuchung nimmt dabei den massiven Übertragungsnetzausbau als gegeben hin und untersucht nicht die aktuelle Frage, ob die schnelle Markteinführung bereits bestehender Speichertechnologien einen großen Teil des umstrittenen Übertragungsnetzausbaus überflüssig machen würde.  

 

In Verkennung dieser Tatsache und in unzulässiger Verkürzung der Ergebnisse der in Rede stehenden Untersuchung haben einige Medien „berichtet“, ein massiver Netzausbau würde Stromspeicher überflüssig machen. Diese Meldung gibt jedoch weder die Untersuchung, noch eine nüchterne Betrachtung energiewirtschaftlicher und physikalischer Notwendigkeiten her.

 

EUROSOLAR – die Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V. weist aus diesem Anlass darauf hin, dass die Untersuchung „Stromspeicher in der Energiewende“ die Frage einer Alternative zum umstrittenen massiven Übertragungsnetzausbau gemäß „Bedarfsplangesetz“ von Anfang an ausgeklammert hat und daher auch keine Antwort auf diese Frage darstellt.

 

Vor diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass die Untersuchung gleichwohl zu dem Ergebnis kommt, dass es schon jetzt eines gesetzlichen Rahmens für die Markteinführung von Stromspeichern auf der Verteilnetzebene bedarf, damit (auf Grund der steigenden industriellen Produktion und der damit verbundenen Kostendegression) diese Technologien ab 2030 kostengünstiger zum Einsatz kommen können.

 

EUROSOLAR – die Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V. fordert einen solchen gesetzlichen Rahmen für die Markteinführung von Stromspeichern schon seit langem als zentralen Bestandteil einer NEUEN ENERGIEMARKTORDNUNG (NEMO).

 

Eine offensive Strategie zur raschen Einbindung von dezentralen Stromspeichern (Redox-Flow, Power-to-X), insbesondere auf der Verteilnetzebene (also regionale Netzbetreiber, z.B. Stadtwerke), würde den überzogenen und teuren Netzausbau mit all seinen inneren Widersprüchen und Fragwürdigkeiten („Braunkohle-HGÜ“, „Windstromfreies NRW“) überflüssig machen - auch in der Argumentation derer, die nach wie vor behaupten (oder auch wirklich glauben), der Übertragungsnetzausbau sei wegen der Energiewende notwendig.

 

Eine offensive Nutzung von Stromspeichersystemen in Deutschland wird auch deren industrielle Produktion in Deutschland voranbringen und dadurch die Preise für diese Systeme senken, was wiederum den Export dieser Systeme stärken wird. Schließlich werden Stromspeicher gerade auch in Ländern gebraucht, die keine bereits so gut entwickelten Übergangs- und Verteilnetze haben wie Deutschland.

 

Wenn wir eine wirkliche Energiewende wollen, also eine zukünftige 100 %ige Versorgung aus Erneuerbaren Energien, dann brauchen wir Stromspeicher - so, wie ein vollständiges Haus ein Dach braucht. Dies wird auch von der Agora-Untersuchung bestätigt. Warum also sollten wir viel Geld für ein zweites Badzimmer verplempern, wenn wir das Dach sowieso brauchen?
 
Stephan Grüger, MdL, Mitglied des Vorstands der deutschen Sektion von EUROSOLAR
Dr. Fabio Longo, Mitglied des Vorstands der deutschen Sektion von EUROSOLAR