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14.-15. April 2008, Leipzig/Neues Rathaus
Biomasse als Kraftstoff, Rohstoff und Energieträger - vernünftige Wege ermöglichen nachhaltige Nutzung
Zur Jubiläumsveranstaltung der Konferenzserie "Der Landwirt als Energie- und Rohstoffwirt" versammelten sich am 14.-15. April 2008 rund 100 Teilnehmer aus den Bereichen Landwirtschaft, mittelständische Unternehmen und Politik / Kommunalverwaltung im Neuen Rathaus Leipzig, um neue Einsatzmöglichkeiten der Biomasse kennen zu lernen und über die Art ihrer Nutzung zu diskutieren.
Während der zweitägigen Fachkonferenz, die vom sächsischen Wirtschaftsminister Thomas Jurk, dem Präsidenten des Sächsischen Landesbauernverbandes Wolfgang Vogel, dem Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sowie von Johannes Gerlach, MdL, Vorstand EUROSOLAR eröffnet worden war, wurden zahlreiche Themen rund um die Nutzungsmöglichkeiten der Biomasse besprochen. Dabei wurde herausgearbeitet, wie vernünftige Wege einer Biomassenutzung aussehen können.
Welches Potenzial die Biomasse birgt, wieviel davon bereits genutzt wird und welche Perspektiven sich eröffnen, stellte zu Beginn der Veranstaltung Prof. Dr. Kaltschmitt dar, Geschäftsführer des Instituts für Energetik und Umwelt. Auf die Chancen und Grenzen der Energieerzeugung im ländlichen Raum ging Dr. Thalheim ein, der viele Jahre im Bereich der Landwirtschaft arbeitete und zuletzt im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft als Staatssekretär tätig war. Dass eine Bioenergienutzung auch mit der Umwelterhaltung vereinbar sein kann, machte Dr. Müschen vom Umweltbundesamt deutlich. Neben der großen Bedeutung der Biomasse im Bereich der Energieerzeugung wird der nachwachsende Rohstoff mit dem Rückgang der Erdölförderung und steigenden Preisen auch für die stoffliche Verwendung immer wichtiger werden. Dr. Fischer von AURO Pflanzenchemie musste allerdings die Erfahrung machen, dass die Entwicklungen in diesem Bereich oftmals durch bürokratische Hemnisse gebremst werden. Außerdem wurde deutlich, dass der Erhalt der Biodiversität in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielt, wenn in einigen Jahrzehnten die Vielfalt unserer Stoffe aus Pflanzen effizient bereitgestellt werden sollen.
Die Effizienz sollte und kann bereits beim Biomasseanbau Berücksichtigung finden. Frau Dr. Gödeke von der Thüringischen Landesanstalt für Landwirtschaft wies darauf hin, dass die Art des Anbaus und die richtige Auswahl der Pflanzenart je nach Standort und späterer Verwertungsrichtung die Produktivität oftmals eher steigern kann als Pflanzenzüchtungen.
Wie auch in der breiten Öffentlichkeit wurde auf der Leipziger Konferenz die Diskussion über Biosprit mit großem Engagement geführt. Schnell wurde deutlich, dass die Thematik oftmals zu oberflächlich betrachtet wird. "Ob Nahrungs- oder Energiepflanzen - alles kann kurzsichtig und umweltschädlich oder weitblickend und nachhaltig angebaut werden. Entscheidend ist nicht, ob Biokraftstoffe eingesetzt werden, sondern mit welchen Produktions- und Vermarktungskonzepten und mit welchen politischen Förderprogrammen das geschieht", so EUROSOLAR-Präsident Hermann Scheer. Große Übereinstimmung erreichte man dahingehend, dass die 2006 eingeführte Beimischungspflicht biogener Kraftstoffe in herkömmlichen Sprit eine falsche politische Weichenstellung war, die der nationalen Biokraftstoffbranche stark geschadet hat. Eine steuerliche Bevorzugung von reinen Biokraftsstoffen mit günstiger Ökobilanz hielten viele Teilnehmer für eine wesentlich bessere Alternative. Während die Beimischungspflicht den Mineralölkonzernen das Abnahmemonopol beschert und die Tendenz von Monokulturen und Importen aus ökologisch und sozial höchst fragwürdigen Anbaubedingungen verstärkt, können Energiepflanzen und biogene Reststoffe aus heimischen Kreisläufen ohne negative Folgen eingesetzt werden.
An interessanten Praxisbeispielen wurde aufgezeigt, wie die Erzeugung von Biogas, dessen Aufbereitung und Einspeisung in das Erdgasnetz realisiert werden können. Der Vorteil dieser Anwendung, deren Rechtsrahmen ebenso beleuchtet wurde, liegt darin, dass die vorhandene Infrastruktur des Erdgases genutzt und das Gas leichter an verschiedene Orte transportiert werden kann, an denen neben der Stromerzeugung auch die anfallende Wärme Verwendung findet.
In kleineren Einheiten, wie beispielsweise Bioenergiedörfern, kann die entstehende Abwärme auch direkt über ein Nahwärmenetz verteilt werden, womit die Wärmeversorgung hundertprozentig erneuerbar wird. Ist die Errichtung eines Nahwärmenetzes nicht möglich, kann es sinnvoll sein, eine reine Biogasleitung über eine begrenzte Strecke von der Erzeugungsanlage bis zu einem Verbraucher zu legen, der einen ausreichenden Wärmebedarf hat. Dies wurde beispielsweise bei Lippertsreute am Bodensee realisiert. Mit einer denzentralen Energieversorgung können bereits in einem Dorf die Energiekosten und damit die Kaufkraft in Größenordnung von mehreren Mio. Euro jährlich vor Ort gebunden werden.
Das Ergebnis der Konferenz war zum Einen die Abschlusserklärung, die vernünftige Wege für die Nutzung von Biokraftstoffen fordert und zum Anderen, dass Biomasse ein sehr wichtiger Bestandteil einer ökologischen und autonomen Energie- und Grundstoffversorgung ist und somit Anbau und Verwendung stets von Effizienz und Nachhaltigkeit geprägt sein sollte. Abschlusserklärung "Biokraftstoffe - vernünftige Wege suchen"
Konferenz-Dokumentation (CD-Rom) Konferenzprogramm Programm 10. EUROSOLAR-Konferenz "Der Landwirt als Energie- und Rohstoffwirt" (pdf)
Montag 14. April 2008, 1. TagModeration: Irm Pontenagel, Geschäftsführerin EUROSOLAR, Rosa Hemmers, Vorsitzende EUROSOLAR-Sektion Deutschland
9.30 Grußworte
- Johannes Gerlach, MdL, Vorstand EUROSOLAR - Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig - Thomas Jurk, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit - Wolfgang Vogel, Präsident Sächsischer Landesbauernverband e.V.
10.30 Sitzung I Biomassenutzung national und international
Bioenergie in Deutschland: Potentiale, Stand und Perspektiven - Prof. Dr.- Ing. Martin Kaltschmitt, Institut für Energetik und Umwelt gGmbH, Leipzig
Chancen und Grenzen der Energieerzeugung aus Biomasse im ländlichen Raum - Dr. Gerald Thalheim, ehem. Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
Zur Vereinbarkeit von Bioenergienutzung und Umwelterhaltung - Dr. Klaus Müschen, Umweltbundesamt, Dessau
Bioenergie und Biorohstoffe: Regional oder global – Richtige und falsche politische Weichenstellungen - Preben Maegaard, Vizepräsident EUROSOLAR, Folkecenter for Renewable Energies, Dänemark
Die Rolle der Bioenergie im künftigen Erneuerbare-Energien-System - Dr. Hermann Scheer, Präsident EUROSOLAR
13.00 MITTAGSPAUSE
14.00 Sitzung II Stoffliche Nutzung von Biomasse
Bioraffinerie-Systeme – Industrielle stoffliche Nutzung Nachwachsender Rohstoffe - Prof. Dr. Birgit Kamm, Forschungsinstitut Bioaktive Polymersysteme, FI biopos e.V., Teltow
Land- und Forstwirte als Grundstoffproduzenten – Aktuelle Risiken und neue Chancen - Dr. Hermann Fischer, AURO Pflanzenchemie AG, Braunschweig
Produktivitätssteigerungspotentiale durch Ausweitung der Nutzpflanzenoptionen - Dr. Katja Gödeke, Thüringische Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), Jena
Nachwachsende Rohstoffe – Produkte und Verwendung im geschlossenen Kreislauf - Hubert Loick, EnD-I Loick Bioenergy GmbH, Dorsten
16.00 DISKUSSION / PAUSE
Problematiken und Herausforderungen der Biomassenutzung - Dr. rer. nat. Peter Volkmer, Geschäftsführer Ingenieurgemeinschaft Dresden GmbH (IGUS), Dresden
Energetische Kreislaufwirtschaft - Gerd Mehler, Geschäftsführer Rhein-Main Deponie GmbH, Flörsheim
Rein-Biokraftstoffe statt Mischkraftstoffe - Peter Schrum, Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V. (BBK), Erkner
20.00 Empfang der Stadt Leipzig Dienstag 15. April 2008, 2. Tag9.30 Sitzung III Biogaserzeugung und Einspeisung
Bioerdgaseinspeisung und -vertrieb aus Sicht eines Regionalversorgers - Dr. Jens Horn, MITGAS GmbH, Kabelsketal Biogaserzeugung und -einspeisung ins Erdgasnetz am Beispiel Darmstadt-Wixhausen - Michael Schlegel, HEAG Südhessische Energie AG (HSE), Darmstadt
Der Rechtsrahmen für die Einspeisung von Biomethan in Erdgasnetze - Silvia Reichelt, Rechtsanwältin, Becker Büttner Held, Berlin
11.00 DISKUSSION / PAUSE
Virtuelle Kraftwerke – Effiziente Option der kommunalen Energieerzeugung - Dr. Gerhard Weissmüller, Technische Werke Ludwigshafen AG (TWL), Ludwigshafen
Die Rolle der Bioenergie im Strommix Erneuerbarer Energien - Ralf Bischof, Geschäftsführer Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE), Berlin
Die autonome Energieversorgung - Prof. Dr. em. Konrad Scheffer, Universität Kassel
12.30 DISKUSSION
13.00 MITTAGSPAUSE 14.00 Sitzung IV Bioenergiedörfer Das Bioenergiedorf Mauenheim – Modellprojekt für den ländlichen Raum - Bene Müller, solarcomplex AG, Singen
Bioenergieregion Mureck/Steiermark - Karl Totter, SEEG reg.Gen.m.b.H., Mureck, Österreich
15.30 DISKUSSION / PAUSE
Die Bioenergie im aktuellen deutschen Gesetzgebungsprozess - Hans-Josef Fell, MdB, Berlin
Diskussion/Zusammenfassung - Dr. Hermann Scheer, Präsident EUROSOLAR
17.00 Ende der Veranstaltung
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