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Kohle sichert nicht Energiestandort Deutschland PDF Drucken E-Mail

27. Oktober 2008

Erneut hat Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sich zur hessischen Energiepolitik geäußert  und die Position Andrea Ypsilantis kritisiert. Zum Widerstand gegen den 5. Kohleblock des Kraftwerks Staudinger Großkrotzenburg sagte er: „Ohne Kohlekraftwerksneubau sei der Energiestandort Deutschland an Ende.“ Wenn die Bundesrepublik von Importen abhängig werde, mache das den Strom nicht sicherer, sondern nur teuerer.

Damit suggeriert Clement, dass die hierzulande verfeuerte Kohle vor allem deutschen Kohleminen entstammt. Für die Braunkohle mag dies vielleicht zutreffen, bei der Steinkohle aber in keinster Weise. Es genügt ein Blick auf die Internetseiten von E-ON um die Herkunftsländer der Steinkohle herauszufinden, die in den vier bereits existierenden Steinkohle-Blöcken des Kraftwerks Staudinger Großkrotzenburg verfeuert wird:

„Die Kohle stammt vor allem aus Ländern wie Südafrika, Kolumbien, Norwegen oder Indonesien.“ (Link)

Der Kraftwerksbetrieb ist somit in höchstem Maße von Importen abhängig. Inwieweit sich das mit der von Clement geforderten Unabhängigkeit von Importen in Einklang bringen lässt, ist mehr als fraglich. Eher scheint es so, als sollten mit solchen Äußerungen die Bürgerinnen und Bürger gezielt in die Irre geführt werden.

Denn vor dem Hintergrund weltweiter anziehender Preise für fossile Energieträger muss eine verantwortungsvolle Energie- und Industriepolitik diese Abhängigkeiten rasch beenden. Die drastisch steigende Nachfrage und die damit einhergehende zunehmende Erschöpfung der einfach zugänglichen Lagerstätten wird diesen Energieträger in den kommden Jahren enorm verteuern. Die unabhängige Energy Watch Group geht von einem Förderpeak bereits im Jahr 2025 aus. Ihre Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass die globalen Kohlereserven deutlich überschätzt werden. Eine Politik, die in hohen Maße auf die Verstromung von Steinkohle setzt, handelt somit mehr als fahrlässig und gefährdet unsere ökologische und ökonomische Zukunftsfähigkeit. Gerade das Festhalten am überkommenen fossil-atomaren Energiesystem führt immer weiter in die Sackgasse. (Link Kohlestudie der Energy Watch Group)

Die einzige Möglichkeit, diese fatalen Abhängigkeiten nach und zu beenden, liegt im dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien hin zu einer regenerativen Vollversorgung,  die schon mit den heutigen technischen Möglichkeiten umsetzbar ist. Nur dann kann wirklich Energieautonomie erreicht werden. Dass dies auch in Hessen möglich ist, hat EUROSOLAR vor einiger Zeit in der Studie „Der Weg zum Energieland Hessen - 100% erneuerbare Energien im Strommarkt in Hessen bis 2025“ dargelegt. Mit der Umsetzung des in der Studie aufgezeigten Entwicklungspfades würde eine nachhaltige, regionale Energieversorgung entstehen, die zahlreiche Arbeitsplätze schaffen und einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten wird. (Link Hessenstudie)

Wer diese Entwicklung auszubremsen versucht, schadet in der Tat dem Energiestandort Deutschland.

Valentin Hollain
Wiss. Mitarbeiter
 
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