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Pressemitteilung: Lügen und Märchen der Anti-Energiewende-Lobby

Bonn, 15. Juni 2011 -  Ergänzt am 20. Juni 2011

Der Atom"ausstieg" ist noch lange keine Energiewende. Und wer jetzt glaubt, man könne die Hände in den Schoß legen, weil angeblich jetzt selbst Angela Merkel begriffen habe, was zu tun sei, der wird ein böses Erwachen erleben.

Denn weiterhin bremst die augenblickliche Bundesregierung, allen voran Umweltminister Röttgen, die bereits vor zehn Jahren unter Rot-Grün begonnene dezentrale Energiewende aus. Mit allen möglichen Tricksereien, aber auch mit massiven Einschnitten wird das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) quasi von innen zerstört und auf die Interessen der Strom-Oligopolisten getrimmt. Wettbewerb, Mittelstand und Kommunen kämen dabei unter die Räder. Parallel erleben wir eine regelrechte Desinformationskampagne. EUROSOLAR hält dagegen und klärt auf. Wir werden in den nächsten Wochen regelmäßig Lügen und Märchen der Anti-Energiewende-Lobby aufgreifen und kurz und knapp die wahren Hintergründe und wirklichen Alternativen vorstellen.

1. Offshorelüge: Angeblich ist die Energiewende nur mit riesigen Windparks auf Nord- und Ostsee möglich.

Falsch! Ganz im Gegenteil behindern die extrem teuren und nur mit langen Planungszeiten realisierbaren Offshore-Windparks die Energiewende und machen sie zudem unnötig teuer. Ein Interesse daran haben die Strom-Oligopolisten: Während der langen Planungszeiten laufen ihre fossilen und atomaren Kraftwerke weiter und die teuren Offshore-Windparks können nur von den Strom-Oligopolisten geplant und finanziert werden, was ihnen die Monopolgewinne auch für die Zukunft sichert. Die Rechnung zahlt der Endverbraucher, ob privat oder Gewerbekunde.

Tatsache ist: Auf 3% der Landesfläche kann mit Onshore-Windkraftanlagen 90% des in Deutschland verbrauchten Stroms produziert werden, günstig, verbrauchsnah und mit Wertschöpfungsvorteilen für Kommunen und mittelständische Unternehmen. Wir brauchen keine Offshore-Windparks. Folgerichtig sieht das pragmatische Konzept von EUROSOLAR für die Energiewende vor, in der Raumordnung eines jeden Bundeslands mindestens 2 % der Fläche für Windkraftanlagen bereit zu stellen und die Vergütung für Windenergie im EEG selbstverständlich nicht zu kürzen (Punkte 1, 2 und 8 im EUROSOLAR-10-Punkte-Sofortprogramm für die Energiewende).
 
2. Netzausbaulüge: Angeblich ist für die Energiewende ein Netzausbau von mehr als 4.500 km neuer Übertragungsnetze (Höchstspannungsebene: 380 kV) nötig.

Falsch! Die Zahl stammt aus der sogenannten "Netzstudie" der "Deutschen Energieagentur" die diese im Auftrag der Übertragungsnetzbetreiber erstellt hat. Das Szenario "4.500 km neue Übertragungsnetze" geht davon aus, dass nahezu der gesamte im Süden Deutschlands produzierte Atomstrom ausschließlich durch Strom aus Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee ersetzt wird. Eine schnelle, kostengünstige und wettbewerbsfreundliche Energiewende muss jedoch dezentral und auf der Basis von Onshore-Windkraftanlagen erfolgen (siehe "Offhore-Lüge").

In diesem Falle werde aber nur ca. 450 km neue Übertragungsnetze benötigt – und das auch nur, wenn die Netzbetreiber sich weiterhin weigern, die bestehenden Netze nach dem neusten Stand der Technik zu ertüchtigen. Da erneuerbare Energien sinnvollerweise dezentral eingesetzt werden, ist es ein praktisches Erfordernis, statt der "großen" Netze von Nord- nach Süddeutschland die "kleinen" Verteilernetze vor Ort zu verstärken und zu intelligenten Netzen (smart grids) auszubauen (siehe Punkt 4 im EUROSOLAR-10-Punkte-Sofortprogramm für die Energiewende).

3. Verbraucherkostenlüge: Angeblich werden die Energiekosten der Endverbraucher durch die Energiewende explodieren.

Falsch! Mittelfristig wird die Energiewende sogar zu Kostenstabilität beitragen. Die reinen Stromkosten sind in den letzten Jahren stetig um durchschnittlich 6 % pro Jahr gestiegen. Diese Preissteigerung hat nichts mit der Energiewende zu tun. Vielmehr beruht sie einerseits auf steigenden Rohstoffkosten der fossil-atomaren Energiewirtschaft und andererseits – wegen fehlenden Wettbewerbs auf dem Strommarkt – auf zusätzlichen Monopolgewinnen des Kartells der großen Energiekonzerne. Es ist sicher davon auszugehen, dass die fossil-atomaren Rohstoffkosten und damit auch die daraus resultierenden Strompreise immer weiter steigen werden. Die Produktionskosten der erneuerbaren Energien werden dagegen immer weiter sinken. Bei Onshore-Windkraftanlagen ist die Grid-Parity bereits schon fast erreicht. Und schon heute dämpft der Windstrom durch den Merit-Order-Effekt die Strompreisentwicklung an der Strombörse EEX. Die Strompreise werden also mit einer dezentralen und wettbewerbsorientierten Energiewende weniger stark steigen als mit einer zentralistischen, verschleppten oder gar blockierten Energiewende. Die Strompreise werden sich im ersten Fall nach einigen Jahren stabilisieren, ohne Energiewende aber weiter durch die Decke schießen. Anstatt teure zentralistische Strukturen zu fördern (wie z. B. Stromtrassenbau von Nord- nach Süddeutschland, Kohlegroßkraftwerke, Offshore-Windkraft, Solarstrom aus der Wüste), fordert EUROSOLAR eine verlässliche Förderung dezentraler Strukturen (Verstärkung und Ausbau der Ortsnetze zu smart grids, Windkraft an Land, Solarstrom auf Dächern und ortsnahen Freiflächen, Wasserkraft, kleine Biogasanlagen etc.). Anstatt eine sinnlose "Marktprämie" im EEG zu verankern, die nur zu Mitnahmeeffekten und damit zu unnötiger Kostensteigerung führt, fordert das EUROSOLAR-Konzept einen "Speicherbonus" im EEG, um einen Anreiz für die Regelbarkeit der Stromeinspeisung insbesondere aus Windkraftanlagen zu schaffen und die erneuerbaren Energien wirklich wettbewerbsfähig zu machen (siehe 10-Punkte-Sofortprogramm – Punkte 4, 7 und 8).

4. Photovoltaiklüge: Angeblich scheint in Deutschland nie die Sonne! Beziehungsweise: Photovoltaik spielt keine Rolle bei der Energiewende.

Das ist natürlich wirrer Unsinn. Allein im Netz der EnBW in Baden-Württemberg leistet die Photovoltaik an einem normalen Sonnentag tagsüber 20 % der Gesamtlast – und dies, obgleich auch im Musterländle noch lange nicht jede südlich ausgerichtete Dachfläche mit einer Photovoltaikanlage versehen ist. Auf der Dachfläche eines Einfamilienhauses kann in Deutschland in einem Jahr mehr Strom produziert werden als im gleichen Zeitraum im gleichen Haus verbraucht wird. Und in einer nicht gerade sonnenverwöhnten Stadt wie Osnabrück kann auf allen geeigneten Dachflächen so viel Solarstrom erzeugt werden, um 100 % des Strombedarfs der dortigen Haushalte zu decken. Das liegt daran, dass Solarstrom nicht nur bei strahlendem Himmel erzeugt wird. Auch bei bewölktem Himmel und diffusem Licht ist die Solarstromerzeugung noch beträchtlich, weil ein Großteil der Photonen auch durch Wolken hindurch gelangen und in der Solarzelle in Strom umgewandelt werden. Und solange die Photovoltaik noch nicht 100 % der Gesamtlast überschreitet, ist für sie die Frage der Speicherung weniger entscheidend als die Frage nach dem Vorhandensein schnell regelbarer Kraftwerke, wie z.B. Gas-und-Dampf-Kraftwerke, oder stromgeführter und -optimierter Blockheizkraftwerke der Stadtwerke und als Ersatz für Heizungsanlagen in Gebäuden. Mit großen Kohlekraftwerken oder gar Atomkraftwerken ist da kein Blumentopf zu gewinnen. Das pragmatische Konzept von EUROSOLAR fordert daher von der Bundesregierung, neben der verlässlichen und vorhersehbaren Vergütung von Solarstrom im EEG ein Eine-Million-Blockheizkraftwerksprogramm aufzulegen, mit dem 20 Großkraftwerke bis zum Jahr 2015 ersetzt werden können (siehe 10-Punkte-Sofortprogramm – Punkte 5 und 8).