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Solarenergie und Wasserstoff

Artikel von Monika Ganseforth, erschienen im Solarzeitalter 03/2018

Als Hermann Scheer vor 30 Jahren die Gründung von EUROSOLAR vorbereitete, war ich dabei. Wir fanden es dringend nötig, dass sich diejenigen, die in der Solarenergienutzung die Zukunft sahen, zusammenschlossen. Es sollten Frauen und Männer aus Politik, Wissenschaft, Kultur, aus der Umweltbewegung und alle, die von der solaren Zukunft überzeugt waren, zusammenarbeiten, sich austauschen, sich einmischen und Initiativen ergreifen.

Wir waren davon überzeugt, dass der Verein einerseits sehr lokal, andrerseits auch international werden müsse, um unsere gemeinsamen Vorstellungen voranzubringen.

Aber zunächst ging es um die Struktur, die Satzung, die Beitragshöhe von EUROSOLAR. Ich erinnere mich, dass wir uns für einen damals ziemlich hohen Beitrag entschieden, auch um uns für Jahre Diskussionen um Beitragserhöhungen zu ersparen (was ja auch schließlich gelungen ist). Danach wurden die Gremien besetzt und die Arbeit konnte beginnen.

Für mich hatte diese Zusammenarbeit mit Hermann Scheer eine Vorgeschichte: 1987, ein Jahr vor der Gründung von EUROSOLAR, war ich für die SPD in den Bundestag gewählt worden. Meine Interessen waren Umweltpolitik, die Energiewende sowie der schnelle Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie. Ich fand es befremdlich, dass im Bundestag noch so viele Mitglieder die Atomenergie- und die Kohlenutzung befürworteten. Deshalb ergab sich für mich die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit denen, die andere Vorstellungen über die Zukunft der Energienutzung hatten, allen voran Hermann Scheer.

In dieser SPD-Energiegruppe erarbeitete er mit unserer Unterstützung einen Antrag: „Forschungs- und Entwicklungsprogramm Solarenergie und Wasserstoff“, der noch im selben Jahr im Bundestag eingebracht wurde. Darin ging es um solar erzeugten Strom (Photovoltaik), aber auch um solare Wärmekollektoren (Solarthermie), Wärmespeicher und solar erzeugten Wasserstoff. In unserem Antrag forderten wir diese Forschung nicht nur national durchzuführen; es sollte eine Ausweitung auf europäische Forschungszusammenarbeit sowie sogar auf Forschungs- und Entwicklungsabkommen mit außereuropäischen Partnerländern erfolgen.

Diesen Antrag musste ich im Forschungsausschuss, dem ich angehörte, vertreten. Er wurde sogar, was eine große Ausnahme ist, parteiübergreifend angenommen (wir waren ja damals in der Opposition).

Auch das war ein für Hermann Scheer im Zusammenhang mit der Energiewende typischer Ansatz: parteiübergreifende Bündnisse der am Thema Interessierten knüpfen. Selbstverständlich war dieser Ansatz auch die Basis bei der Gründung unseres Vereins EUROSOLAR.

Was der Antrag zum Forschungsprogramm Solarenergie und Wassersstoff beinhaltete war dann die inhaltliche Basis bei der Gründung von EUROSOLAR: solare Erzeugung von Strom und Wärme, Wärmespeicher, solarer Wasserstoff.

Allerdings gingen die Ziele des Vereins noch darüber hinaus und wurden immer weiter entwickelt. Neben Forschung und Entwicklung ging es auch um den Praxisbezug. Das führte später zur Auslobung der Solarpreise. Unterschiedlichste erfolgreiche Aktivitäten und Initiativen wurden und werden ausgezeichnet, dadurch sichtbar gemacht und regen so zur Nachahmung an. Ich habe an vielen dieser Preisverleihungen teilnehmen können und dabei interessante nationale und internationale Projekte kennengelernt und viele Kontakte geknüpft.

Inzwischen verfolge ich die Arbeit nur noch von fern und lese mit Interesse die Zeitschrift „Solarzeitalter“. Sektorenkopplung, Speicherung, kommunale Aktivitäten, Zusammenarbeit mit fortschrittlichen Stadtwerken, notwendige Anpassung des Erneuerbaren Energiegesetzes, Mieterstrom, internationale Zusammenarbeit und anderes sind wichtige Themen, die EUROSOLAR sehr kompetent behandelt.

Es bleibt noch viel zu tun. Denn das Ziel ist noch nicht erreicht und der Weg steiniger als wir damals erwartet haben. Leider versuchen die Beharrungskräfte die Entwicklung hin zu 100 % solare Energienutzung mit vielen Strategien zu verhindern. Auch die Politik ist viel zu halbherzig. Gut, dass es EUROSOLAR gibt!

Monika Ganseforth ist deutsche Politikerin und Gründungsmitglied von EUROSOLAR. Von 1983 bis 2002 saß sie für die SPD im Bundestag.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier als PDF-Dokument.