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Artikel von Claudia Kemfert, erschienen im Solarzeitalter 04-2018

Europa hat sich vorgenommen, den Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Endenergieverbrauch auf 20 % bis 2020 ansteigen zu lassen. Das EU Clean Energy Package eröffnet weiterhin den Wettbewerb um die schnellsten zukünftigen Zielerreichungen, technologischen Innovationen und Marktführerschaft im Bereich der klimaschonenden Technologien.

Viele EU-Länder erfüllen schon heute die EU-Ziele für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Erreicht sind insgesamt schon 17 %, vor allem dank der skandinavischen und auch einiger osteuropäischen Länder. Elf Länder erfüllen schon heute die EU-Ausbauziele der Erneuerbaren Energien, wo neben der Stromerzeugung auch die Wärmenergie und Kraftstoffe für die Mobilität aus Erneuerbaren Energien stammen müssen.

85 % aller Kraftwerkskapazitäten entfielen im Jahr 2017 auf den Ausbau der Eneuerbaren Energien, allen voran der Windenergie. Drei Europäische Länder haben den Großteil der neu installierten Wind-Anlagen errichtet; neben Deutschland haben auch Frankreich und England für einen deutlichen Ausbau gesorgt. Doch der positive Eindruck täuscht: Insgesamt hat zwar die Bedeutung der Windenergie an der Stromerzeugung in Europa deutlich zugenommen und ist auf den durchaus beträchtlichen Anteil von 12 % angestiegen, was auch in etwa der EU Durchschnitt bedeutet. Der positive Trend wird jedoch nicht lange anhalten. Der Rekordzubau der Windenergie in Europa wird kaum dauerhaft sein. Obwohl die Kosten der Erneuerbaren Energien und auch der Windenergie immer weiter sinken, werden die Bedingungen in den einzelnen Ländern jedoch deutlich erschwert. In allen drei Ländern erwächst der jüngste Rekordzuwachs aus der Tatsache, dass die Fördersysteme geändert werden – es sind auch und vor allem Vorzieheffekte.

Fünf Länder drohen die Ausbauziele der Erneuerbaren Energien komplett zu verfehlen. Eines davon ist ausgerechnet Deutschland. Deutschland wird sein Ausbauziel bis 2020 aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erreichen, genau wie Frankreich und England – oder auch Belgien und die Niederlande. In Deutschland ist die Zielverfehlung allerdings besonders bitter. Im selbst ernannten Energiewende- und Klimaschutz-Musterland ist es peinlich, wenn neben eigenen Klimazielen nun auch die Europäischen Ziele nicht erfüllt werden. Obwohl der Ausbau der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung gut vorankam und sich der Anteil auf über 31 % erhöht hat, sieht es in den anderen Bereichen mau aus. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Wärmerzeugung stagniert bei 13 %, im Verkehr gerade mal bei fünf Prozent. So kommt Deutschland auf einen Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch von 16 %. Es müssen bis 2020 allerdings 18 % sein.

Da der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien stark gedeckelt wird, und weder im Bereich Wärme noch Verkehr mit mehr Anteilen Erneuerbarer Energien zu rechnen ist, ist die Zielverfehlung wahrscheinlich. Die nun eingesetzten Ausschreibungen für den Ausbau Erneuerbarer Energien deckeln den Zuwachs merklich. Zwar will in Deutschland die große Koalition Sonderausschreibungen vornehmen, um einen Fadenriss in der Windenergie zu verhindern. Aber dies wird nicht ausreichen, um die Weichen voll auf Energiewende in allen Bereichen zu stellen. Der Ausbau darf nicht mehr gedeckelt werden, zudem müssen mehr Anreize für den Einsatz Erneuerbarer Energien in allen anderen Bereichen gegeben werden. Nur so kann Deutschland Glaubwürdigkeit für die Energiewende und den Klimaschutz zurückgewinnen.

Ein wesentlicher Baustein der Energiewende ist die Windenergie, sie wird in einem Szenario mit Anteilen der Erneuerbaren Energien von über 80 % eine zentrale Rolle spielen. Windenergie kann kombiniert werden mit Solarenergie, Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und mittelfristig mit Speichertechnologien wie beispielsweise „Power-to-gas“. Die Windenergie ist eine tragende Säule der nachhaltigen Energiewende. Wir benötigen einen deutlichen Ausbau der Windenergie an Land und auf See. Windenergie an Land ist im Vergleich zu anderen Erneuerbaren Energien sehr kosteneffizient, und die Kosten werden auch weiterhin noch sinken. Kaum eine andere Technologie hat derartige Lernkurveneffekte und Kostensenkungspotentiale erzielt.

Für das Gelingen der Energiewende ist es ebenso notwendig, dass der Anteil konventioneller Energien, wie Kohle- und Atomkraft, kontinuierlich sinkt. Kohlekraftwerke produzieren nicht nur klimagefährliche Treibhausgase und behindern damit die Erreichung der Klimaschutzziele, sie produzieren auch Umweltschäden wie beispielsweise Quecksilber- und Feinstaubemissionen. Schon der Abbau von Kohle bringt erhebliche Umweltschädigungen mit sich. Atomkraftwerke sind ohnehin sehr risikoreich und vor allem sehr teuer, da nicht nur der Bau, sondern auch der Rückbau der Anlagen und die Endlagerung von Atommüll erhebliche Kosten verursachen. Diese negativen externen Effekte sind ungleich höher als die der Erneuerbaren Energien.

Die Investitionen in neue Technologien schaffen Innovationen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Die Energiewende vermeidet gigantische Kosten der Atom- und Kohleenergie. In der Kostenbilanz stehen die Erneuerbaren Energien deutlich besser da als konventionelle Energien.

Schon heute fließen global mehr Investitionen in Erneuerbare als in fossile Energien. Künftig werden riesige Investitionen in nachhaltige Klimaschutz-Technologien und Infrastrukturen getätigt werden. Die globale Transformation und die Energiewende bieten enorme wirtschaftliche Chancen. Es werden massive Innovationen hervorgebracht und durch Investitionen interessante Zukunftsmärkte erschlossen werden. Es ist wichtig, heute den Strukturwandel hin zu einem Umbau der Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz einzuleiten und in den kommenden Jahrzehnten zu begleiten.

Das Energiesystem muss flexibler, intelligenter und ganzheitlicher werden. Dafür werden intelligente Netze und mittelfristig auch Speicher deutlich dringender benötigt als fossile Energien und alte Strukturen. Um die Ziele der europäischen Energiewende erreichen zu können, wird es notwendig sein, die Erneuerbaren Energien deutlich stärker auszubauen. Zudem geht es um die Senkung des Energieverbrauchs durch gezielte Förderung von Energieeinsparmaßnahmen und den Einsatz von klimaschonenden Antriebstechnologien.

Die Geschäftsmodelle im Energie- und Mobilitätssektor ändern sich somit grundlegend. Dazu bedarf es spannender Innovationen, intelligenter Technologien und neuer Geschäftsfelder. Das EU Clean Energy Package startet nunmehr den Wettbewerb, diese Herausforderungen schnellstmöglich anzugehen und die zukünftige Marktführerschaft im Bereich der klimaschonenden Technologien anzustreben. Die Märkte gehören denen, die sie sehen. Und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Die Energieunion kann hervorragende Chancen hervorbringen, gemeinsam die Energiewende beherzt anzugehen und umzusetzen, den Ausbau Erneuerbarer Energien voranbringen. Sie darf aber keine Ausrede für das Nichtstun sein. Die Energiewende wird vor Ort gemacht, in den Ländern, in den Städten und Kommunen. Die Energiewende ist eine Bürgerenergiewende. Die Energieunion kann einen effektiven Rahmen für mehr Bürgerenergie geben.

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Deutscher Solarpreis

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Resolution der Mitgliederversammlung

Resolution der Mitgliederversammlung 2017

"Die Energiewende ist die zivilisatorische Herausforderung für die nächste Bundesregierung "

Resolution der Mitgliederversammlung der deutschen Sektion von EUROSOLAR am 02. Dezember 2017 Die nächste Bundesregierung trägt die Verantwortung dafür, den energiepolitischen Schlingerkurs der letzten Jahre zu beenden und endlich klare, verlässliche und unbürokratische Rahmenbedingungen zu schaffen, und die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten. Sie muss dafür Sorge tragen, dass die Energieversorgung Deutschlands schnell, kostengünstig und vollständig auf 100 % Erneuerbare Energien umgestellt werden kann. Dieser Wechsel ist technisch möglich, ökonomisch sinnvoll, gesellschaftlich geboten und mit einem reparierten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie einer Neuen Energiemarktordnung realisierbar.

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Aktuelle Artikel aus dem Solarzeitalter

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    Editorial von Irm Scheer-Pontenagel, erschienen im Solarzeitalter 2/2019

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    Hermann Scheer (1944 – 2010)

  • Je mehr Prosumer, desto besser

    Interview mit Claudia Kemfert, erschienen im Solarzeitalter 2/2019

    Die „Fridays for Future“-Bewegung stellt Forderungen an die deutsche Politik. In einer Erklärung fordert sie Klimagerechtigkeit und kündigt an, die Schulstreiks und andere Aktionen fortzusetzen, bis politische Entscheidungen nicht länger zu Lasten ärmerer Regionen und folgender Generationen getroffen würden. Es bedurfte wohl erst einer weltweiten Jugendbewegung als Weckruf auch an die deutsche Politik, um wieder über die Ziele und Regelungen zu streiten, die für die Gestaltung der Energiesystemwende mit Erneuerbaren Energien (EE) unabdingbar sind.

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