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EUROSOLAR Sektionen: Ein Überblick zum 30-jährigen Jubiläum

Artikel von Wolfgang Hein, erschienen im Solarzeitalter 04-2018

Beim Berliner Symposium zum 30-jährigen Jubiläum von EUROSOLAR waren EUROSOLAR-Verantwortliche aus Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, der Türkei und Österreich vertreten sowie aus Liechtenstein in Person unseres Präsidenten.

Liechtenstein ist vorbildlich bei der Photovoltaik-Kapazität pro Einwohner, hat sich aber wie das benachbarte Vorarlberg und bis auf eine Anlage auch Graubünden bisher nicht auf Windstromerzeugung eingelassen.

Eliana Cangelli aus Rom hat eine umfassende Geschichte der Energiewende in Europa seit der ersten Ölkrise 1973 zusammengestellt, aus der ich nur wenige Punkte hervorheben möchte: Nach der Nuklearkatastrophe 1986 in Tschernobyl entschied sich Italien in einem Volksentscheid 1987 bis auf Weiteres aus der Nuklearenergie auszusteigen, was dann erst nach der zweiten nuklearen Großkatastrophe in Fukushima 2011 umgesetzt wurde. Die italienische EUROSOLAR-Sektion ist bei den Architekten und Stadtplanern verankert und setzt in diesem Bereich ihre Schwerpunkte. Insgesamt liegt Italien im internationalen Vergleich bei Solarenergie gut, bei Windenergie mittel, leidet aber wie alle in diesem Bereich relativ erfolgreichen europäischen Staaten unter Stop-and-Go-Politik.

Josep Puig aus Barcelona setzt seine Akzente auf die dezentrale und regionale Energiewende und hat schon seit vielen Jahren an einer lokalen erneuerbaren Energiegenossenschaft in Katalonien mitgearbeitet, deren Windpark dieses Jahr in Betrieb ging. Spanien hatte eine erfolgreiche Einspeiseregelung und war bei Windkraft im internationalen Vergleich ganz vorne, bis die fossil- und nuklearlastige Zentralregierung die Vergütungen entgegen gültiger Verpflichtungen kappte. Dies hat auch den spanischen Wind- und Solaranlagenbauern schwer geschadet.
Für EUROSOLAR France berichtete Andre Langwost, dass Frankreich im Zuge des Klimagipfels in Paris 2015 sich viel vorgenommen hat und auch die Reduktion des Atomstroms auf 50 % versprach, bisher aber wenig umgesetzt hat. Die Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim wird an die Inbetriebnahme des sich immer weiter verzögernden und astronomisch verteuernden Reaktors von Flamanville geknüpft und die Wind- und Photovoltaikkapazitäten wachsen zu langsam. Genehmigungen für Windkraftanlagen dauern immer noch fast zehn Jahre. So hat Frankreich bei Windkraft und PV erst etwa ein Fünftel der deutschen Kapazitäten aufgebaut.

Für EUROSOLAR Türkei berichtete Tanay Sidki Uyar aus Istanbul von den von ihm initiierten IRENEC-Konferenzen und dem von ihm beim Springer-Verlag herausgegebenen Buch darüber und lud auch für 2019 wieder dazu ein. Die Türkei hat viel Wasserkraft und auch schon etwa 5 GW Windenergie, jedoch relativ wenig PV. Der nationale Energie-Aktionsplan will 30 % erneuerbaren Strom bis 2030 erreichen und schon bis 2023 ein Fünftel der Importenergiekosten einsparen. Den Atomkraftplänen steht EUROSOLAR ablehnend entgegen.

Für EUROSOLAR Deutschland betonte Axel Berg die Wichtigkeit der konsequenten Öffentlichkeitsarbeit des Vereins gegen die Abwendung der Bundesregierung von der erfolgreichen Politik in den letzten 30 Jahren. Der Windenergieausbau erlebte zwar noch ein Hoch 2017, aber das war die Reaktion auf den zu erwartenden Beinahe-Ausbaustopp 2018. Der Photovoltaik-Ausbau wurde schon früher weitgehend zum Erliegen gebracht. So werde Deutschland die Klimaziele von Paris nicht erreichen.

Für EUROSOLAR Österreich erinnerte der Berichterstatter Wolfgang Hein an die positiven Beiträge seines Landes zur Energiewende: Die frühe Volksentscheidung gegen Atomenergie 1978, den mit den Selbstbaugruppen eingeleiteten Boom bei Solarthermie in den Folgejahren, die erfolgreiche Verbreitung von Biomasse-Nahwärme vielfach mit Stromerzeugung, die Entwicklung und Verbreitung moderner Biomasse-Heizkessel sowie die für ein Binnenland rasch wachsende Windstromerzeugung. Österreich hat bereits etwa 75 % erneuerbaren Strom und könnte die 100 % früher erreichen als 2030 wie von der Regierung angestrebt. Dafür müssen die Bedingungen für Wind, PV und Biomasse mit der kommenden Gesetzesänderung verbessert werden. Auch der Ausstieg aus der fossilen Wärmeerzeugung und den fossilen Treibstoffen muss beschleunigt werden.

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