Logo Eurosolar

Hin zu 100% Erneuerbare Energien: Das Impuls-Papier der IRENA Coalition for Action

Ein Einblick von Hans-Josef Fell, erschienen im SOLARZEITALTER 01/2019

Vom 11. bis 13. Januar 2019 fand in Abu Dhabi die neunte Vollversammlung der International Renewable Energy Agency (IRENA) statt. Wie sich zeigte, ist die IRENA – mit mittlerweile 160 Mitgliedsnationen – eine der erfolgreichsten Initiativen von EUROSOLAR.

Sie hat sich zu einer der weltweit wichtigsten Institutionen entwickelt, die hervorragende Informationsarbeit über die großen Vorteile der Erneuerbaren Energien leistet und damit mehr und mehr Einfluss auf die Politik vieler Regierungen nimmt. Als anerkannte Institution bekommt sie damit mehr und mehr Einfluss neben den beiden anderen Regierungsorganisationen International Energy Agency (IEA) in Paris, die im Wesentlichen das Sprachrohr der fossilen Wirtschaft ist, und der International Atomic Energy Agency (IAEO) in Wien, die weiterhin die Atomenergie fördert.

Zu Recht geehrt wurde auf der Vollversammlung der scheidende erste IRENA-Generalsekretär Adnan Amin für seine erfolgreiche Aufbauarbeit der Organisation. Amin hat immer dafür gesorgt, dass die IRENA nicht nur das Sprachrohr der Mitgliedsregierungen ist, wo einige – wie Russland oder Saudi Arabien – sie mehr für ihre fossil-atomaren Interessen einzuspannen versuchen. Das bei der IRENA angegliederte, stetig wachsende internationale Bündnis „Coalition of action“ zählt mittlerweile über 80 führende Erneuerbare Energien-Akteure als Mitglieder: Industrieverbände, Zivilgesellschaft, Forschungsinstitute und Nichtregierungsorganisationen. Gemeinsam werden Branchentrends diskutiert, Maßnahmen festgelegt sowie Wissen und Best Practices ausgetauscht, um gemeinsam die weltweite Energiewende stärker und schneller voranzutreiben.

Sie hat mit der von Rainer Hinrich-Rawles hervorragend geführten Working Group 100 % Erneuerbare Energien ein White Paper entwickelt, das die Ursprungsforderungen von EUROSOLAR nach einer Vollversorgung mit 100 % Erneuerbare Energien aufgreift. Das Papier macht Mut und liefert zahlreiche Impulse. Es stellt Beispiele von 100 %-Beschlüssen und Realisierungen vor. Denn es gibt sie, die guten Beispiele von Nationen wie Costa Rica oder Dänemark, von Bundesstaaten wie Kalifornien, Süd-Australien oder Rheinland-Pfalz, von Inseln wie Cook Island oder El Hiero.

Diese neue Beispielsammlung der IRENA Coalition for Action für 100 % Erneuerbare Energien wurde am Vortag der IRENA-Vollversammlung auf dem Public-Private-Dialogue vorgestellt. Diese enthält wichtige Analysen zu politischen und gesellschaftlichen Trends, Anregungen für eine erfolgreiche Umsetzung, Hinweise zu auftretenden Hindernissen und Gesetzesempfehlungen für 100 % Erneuerbare Energie-Vorhaben. Das Papier enthält im Anhang Hinweise auf Studien zu 100 % Erneuerbaren Energien – so auch die im Februar 2019 veröffentlichte globale 100 % Studie der Energy Watch Group (EWG) und Lappeenranta University of Technology (LUT). Sie ist eine wichtige Grundlage, um Zweifler überzeugen zu können, dass 100 % Erneuerbare Energien nicht nur über alle Energiesektoren hinweg möglich, sondern zudem noch kostengünstiger als das heutige Energiesystem sind.

Bei Diskussionen mit Parlamentariern und Regierungsvertretern bot ich an, dass EWG und LUT für einzelne Nationen entsprechende Studien erstellen können. Diese könnten als jeweils nationaler technisch-ökonomischer Plan zur Umstellung auf 100 % Erneuerbare Energien dienen.

Das Papier finden Sie hier.

Den vollständigen Artikel finden Sie auch hier als PDF-Dokument.

 

Aktuelle Artikel aus dem Solarzeitalter

  • Editorial 03-2019

    Editorial von Irm Scheer-Pontenagel, erschienen im Solarzeitalter 3-4/2019

    "Auch in der etablierten Energiewirtschaft wächst eine neue Generation von Entscheidungsträgern heran, die erkennen, dass Atomenergie und fossile Energien in eine Sackgasse führen. Sie versuchen deshalb, den Einstieg in erneuerbare Energien in einer Weise zu gestalten, die in die Strukturen der überkommenen Energieversorgung passt."

    Hermann Scheer (1944-2010)

  • Städte im Aufstand: Gegen einen ignorierten Notstand

    Artikel von Prof. Peter Droege, erschienen im Solarzeitalter 3/2019

    EUROSOLAR, unsere Mitglieder und ein frisch gewählter Vorstand gehen das Jahr 2020 mit zwei eng verknüpften Themen an: die Zukunft der Städte und der sich stündlich dramatisch verschärfende Klimanotstand. Damit beginnt EUROSOLARs eigentliche Arbeit aufs Neue – und damit auch unsere wichtigste Aufgabe: Nicht nur den Energienotstand für Deutschland, Europa und die Welt auszurufen, sondern mit unseren Erkenntnissen und Forderungen zu retten helfen, wer und was denn noch zu retten ist.

  • „Die Stadtwerke sind Marktführer in den Sektoren Strom und Wärme“

    Interview mit Oberbürgermeister Burkhard Jung, erschienen im Solarzeitalter 3/2019

    Vor 70 Jahren wurde der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) gegründet - er ist damit ebenso alt wie das Grundgesetz. Nach dem Krieg stand als Grundlage der Daseinsvorsorge für die Menschen die verlässliche Versorgung mit Wasser und Energie im Vordergrund.

  • Energiewende und Waldoption – Argumente für eine Doppelstrategie der Klimapolitik

    Artikel von Udo E. Simonis, erschienen im Solarzeitalter 3/2019

    In der Klimawissenschaft wie in der Klimapolitik haben sich Gruppen gebildet, die nicht miteinander kommunizieren, sondern sich voreinander abschotten. Im Ergebnis werden der technische Weg zum Klimaschutz – die „De-Karbonisierung“ – und der natürliche Weg – die „Re-Naturierung“ – von Wissenschaftlern wie von Politikern nicht als zwei Wege zum gleichen Ziel gesehen, obwohl es viele gute Gründe für eine solche Doppelstrategie gibt.