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„Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut"

Kolumne von Franz Alt, erschienen im SOLARZEITALTER 01/2019

Mehrere Freitage hintereinander rufen jetzt bereits Zehntausende Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten „Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“.

Die neue Jugendbewegung für Klimaschutz wurde von der 16-jährigen behinderten Schwedin Greta Thunberg initiiert, die viele Monate zunächst als einzige aus Protest gegen das Nichtstun der Politik beim Thema Klimaerhitzung vor dem schwedischen Reichstag saß. Dann schwappte die Bewegung auf Deutschland, die Niederlande, die Schweiz und Frankreich über. Und am 15. März will sich die neue Bewegung weltweit mit Hunderttausenden lautstark zu Wort melden. Das Motto der jungen Leute: „Wir verändern die Welt“, wenn es die Erwachsenen nicht tun. Zwei dieser jungen Protestler hatte ich im Fernsehstudio und einer sagte ganz nüchtern und pragmatisch auf meine Frage, wie er den möglichen Erfolg seiner Bewegung einschätze: „Wir sitzen am längeren Hebel, in spätestens fünf Jahren steigt Deutschland aus der Kohle aus. Dafür sorgen wir.“

Kurz zuvor hatte die deutsche Kohle-Kommission einen Kompromiss für den Kohleausstieg gefunden. Dieser sieht den Ausstieg bis spätestens 2038 vor. Der Kompromiss hat Vor- und Nachteile. Er ist gesellschaftspolitisch ein Fortschritt und auch demokratiepolitisch von Vorteil. Vor einigen Jahren sah ich im Ruhrgebiet noch Plakate mit der Aufschrift: „Wir fördern noch 200 Jahre Kohle“. Eine Null bei 200 ist nun schon mal weg. Wenn es nach den jungen Demonstranten geht, muss auch noch die zweite Null weg. Erstmals haben jetzt immerhin auch die Hardliner in Politik und bei den alten Energieversorgern anerkannt, dass Deutschland eine Energiewende braucht und das Kohlezeitalter zu Ende geht. Der gesellschaftliche Großkonflikt wird befriedet, der Hambacher Forst bleibt (wahrscheinlich) erhalten und der Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle ist geschafft. Doch dieser Konsens ist klimapolitisch ein Nonsens und wäre eine Katastrophe.

Das hieß nämlich: Noch 20 Jahre Energieversorgung mit dem schlimmsten Klimakiller, 20 Jahre Dörfer abbaggern, Kirchen abreißen, Menschen umsiedeln und sie ihrer Heimat berauben. Eine Kultur-Barbarei ohnegleichen – wie sie von RWE bisher praktiziert wurde und auch weiterhin vorgesehen war.

Alle wissen, dass die Kohle ein Auslaufmodell ist – warum dann noch 20 Jahre auf den kompletten Ausstieg warten, wenn er auch in zehn Jahren oder auch in acht Jahren möglich wäre? Oder wenigstens bis 2030 wie es die Umweltverbände fordern?

Mein Vorschlag: Jetzt muss die Gesellschaft für einen raschen Ausstieg kämpfen, Schüler und Studenten und alle Umweltverbände müssen sich genau dafür einsetzen. Wir schaffen das zusammen so wie wir auch den Atomausstieg geschafft haben. Also: Nachverhandeln, nachverhandeln, nachverhandeln. Unser bester Verbündeter ist der Preis für die Erneuerbaren. Sie werden in den nächsten Jahren immer billiger, weil Sonne und Wind bekanntlich keine Rechnung schicken. Darin liegt jetzt unsere große Chance. Solar- und Windenergien sind bereits heute in 70 Ländern preiswerter als Kohle- und Atomstrom. Sie schützen außerdem das Klima und schaffen weit mehr Jobs als in der alten Kohlewirtschaft verloren gehen.
Wir müssen diesen Kampf im Auftrag unserer Kinder und Enkel und zusammen mit ihnen führen. Sie werden uns sonst verfluchen.

Der Weckruf der jungen Klima-Aktivisten breitet sich in immer mehr Ländern aus: Opfert nicht unsere Zivilisation für eure Gier!

Die vollständige Kolumne finden Sie hier als PDF-Dokument.

 

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    „Der Wechsel zu emissionsfreien und unerschöpflichen Energien ist jedoch der nervus rerum jeder nachhaltigen Klima- und Umweltstrategie. Wer diesen als nachrangig ansieht, braucht mit einer globalen Klimaschutzstrategie gar nicht erst anzufangen."

    Hermann Scheer (1944 – 2010)

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    „Die schnelle und umfassende Einführung Erneuerbarer Energien heute garantiert, dass wir morgen eine umweltfreundliche, sichere und kostengünstige Energie für alle haben.“ Mit diesen Worten überzeugte Hermann Scheer, Gründungsvater von EUROSOLAR, langjähriger SPD-Bundestagsabgeordneter, Träger des Alternativen Nobelpreises und eben auch Architekt des EEG, weltweit und vor Ort.