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Der schändliche Beschluss von Siemens

Kolumne von Franz Alt, erschienen im Solarzeitalter 1-2020

Sein großer deutscher Konzern, so sagte Siemens-Chef Joe Kaeser noch im November 2019, wolle „der Gesellschaft dienen“. Aber nur wenige Monate danach sieht es schon ganz anders aus. Der Siemens-Vorstand hat einen schändlichen Beschluss gefasst.

Er ist ein Lehrstück an Gaunerei: Erst lädt Joe Kaeser das deutsche Gesicht der Fridays for Future-Bewegung, Luisa Neubauer, zu einem Gespräch ein. Dann bietet er ihr auch noch einen Posten im Siemens-Aufsichtsrat an. Sie könne ihn frei aussuchen. Aber nur zwei Tage später verkündet derselbe Siemens-Chef: Wir beteiligen uns an einem riesigen Kohle-Projekt in Australien. Das ist kein „Dienst an der Gesellschaft“ – dieser Beschluss dient der Umweltzerstörung.

Man traut seinen Sinnen nicht: Während Australien seit Monaten mit riesigen Waldbränden kämpft, Menschen und Tiere dabei ihr Leben verlieren, tausende Häuser brennen, will Siemens weiter gute Geschäfte mit Kohle machen – in Australien! Die Obergauner dieser Republik scheuen vor keiner Gaunerei zurück. Erst wird versucht, eine Klima-Aktivistin zu kaufen und kurz danach werden weiter Geschäfte mit dem Klimakiller Nr. 1, der Kohle, gemacht. Zum Glück hat die Klima-Aktivistin sich nicht kaufen lassen, sondern einen klugen Gegenvorschlag gemacht. Nämlich einen Klimawissenschaftler in den Siemens-Vorstand zu berufen.

Australien brennt und Siemens zündelt weiter. Der indische Energiekonzern Adani bekommt wie gewünscht von Siemens Signaltechnik, um in Australien auf Schienen Kohle befördern zu können. Adani will eine der größten Kohleminen der Welt bauen. Und Siemens will unbedingt dabei sein und schmutziges Geld verdienen. Neben dem Klimaschutz geht es dabei auch um Verbrauch von viel Wasser, um die Zerstörung von Lebensräumen und um den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. Dass ein solches Projekt im Jahr 2020 ein Verbrechen an der Umwelt ist, stört die Umweltkriminellen an der Spitze von Siemens offenbar nicht.

Klar ist, dass damit die weltweite Klimazerstörung weiter angeheizt wird. Umweltschützer vor Ort sehen weitere Tierarten bedroht. In den letzten Monaten haben durch die Waldbrände in Australien etwa eine Milliarde Tiere ihr Leben verloren. Die Kohlemine Abbot Point liegt in der Nähe des weltbekannten Great Barrier Reef – einem Weltnaturerbe.

Der Konzern in München hat sich in Greenwashing versucht und sich dabei selbst ein teures PR-Desaster eingebrockt. Zu Recht demonstriert die Fridays for Future-Bewegung jetzt erst recht gegen Siemens. Kaeser hatte nach dem Treffen über Luisa Neubauer noch gesagt: „Sie ist eine sehr angenehme Persönlichkeit“. Dabei hat er sich selbst als Maulheld entlarvt. FFF-Mitstreiter Nick Heubeck, der beim Siemens-Gespräch dabei war, befand: „Siemens muss sich bewusst sein, und das soll auch ein Zeichen für andere Unternehmen in Deutschland sein, dass man eben nicht öffentlich zum Klimaschutz stehen und dann trotzdem Entscheidungen treffen kann, die nicht in dieses Jahrhundert passen.“

Siemens-Bosse sprechen seit einiger Zeit von einer Klimawandel-Strategie im Konzern. Dieses Wort sollte ihnen künftig im Halse stecken bleiben. Den dreisten Gaunern an der Spitze solcher Konzerne dürfen wir in Zukunft kein Wort mehr glauben. Siemens hat sein wahres Gesicht gezeigt.

Die vollständige Kolumne finden Sie auch hier als PDF-Dokument.

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