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Die hilflose Doppelstrategie der alten Energiekonzerne

Kolumne von Franz Alt, erschienen im Solarzeitalter 2 - 2020

Der Verkauf von Solaranlagen diesen Sommer ist gegenüber 2019 in Deutschland um ca. 70 % gestiegen. Im Gegensatz zur Bundesregierung, die dem Bundestag eine sehr schwache Novelle des EEG präsentierte, haben die Hausbesitzer nicht vergessen, dass wir in einer Zeit der Klimaerhitzung leben und dass Solarenergie immer attraktiver wird: Sie ist umweltfreundlich, preiswert und schafft Arbeitsplätze.

Es ist völlig klar, wem die Zukunft gehört. Weil Sonne und Wind keine Rechnung schicken, sind die Erneuerbaren Energiequellen schon heute in den meisten Ländern die preiswertesten. Und morgen sind sie konkurrenzlos. Denn alle fossil-atomaren Energieträger sind endlich und von daher Auslaufmodelle. Hinzu kommt: Während Sonne und Wind vor 20 Jahren nur wenig Strom erzeugten, produzierten sie 2019 erstmals mehr Strom als die Atomkraftwerke. Dieser Vorsprung wird immer größer und preiswerter und schafft Millionen Zukunfts-Arbeitsplätze.

Weltweit entstanden in den letzten 20 Jahren über elf Millionen neue Jobs durch Erneuerbare, hat IRENA errechnet. Bis 2030 können es 25 Millionen sein. Die sozialen Vorteile der solaren Energiewende werden immer deutlicher: Solarstrom ist schon längst Sozialstrom. Aber: Ohne den Abbau bürokratischer Hürden für Erneuerbare Energien, ohne die Verdreifachung der bisherigen ökologischen Ausbauziele der Bundesregierung, ohne die Vermeidung einer sich anbahnenden Stromlücke, ohne raschen Kohleausstieg sind weder die Klima-Ziele der Bundesregierung noch wirklicher Klimaschutz im Sinne des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Die Hoffnungszeichen und ökologischen Lichtblicke, die es in diesen dunklen Corona-Zeiten aber auch gibt: In den USA haben wir erstmals einen Klima-Präsidenten. Die Sorge um die Klimaerhitzung hat ganz wesentlich die US-Wahl entschieden. Biden und Harris müssen nun liefern. Beide wollen die Führerschaft im Kampf gegen die Klimaerhitzung übernehmen und werden dabei von ihrem Parteifreund Al Gore unterstützt werden. Ab 2021 haben wir die große Chance, Klimapolitik zum primären transatlantischen Thema zu machen. Doch was machen in dieser Situation die alten deutschen Energieversorger? In ganzseitigen Anzeigen behauptet RWE, bis 2040 „klimaneutral“ werden zu wollen. Aber mit Kohlekraftwerken, die bis 2038 laufen? Die RWEs und E.ons dieser Welt fahren zurzeit eine scheinbare Doppel-Strategie: Mit einem Fuß stehen sie auf der Bremse beim Ausbau der Erneuerbaren und mit dem anderen geben sie Gas, zum Beispiel beim Ausbau von Off-Shore-Windmühlen. Autofahrer wissen, dass diese Strategie – bremsen und zugleich Gas geben – sehr energieaufwendig, sehr teuer und fürs Auto nicht gut ist.

Eigentlich ist das gar keine Strategie, es ist eher verzweifelte Taktik und völlig ziellos. Es ist der hilflose Versuch, das alte Geschäftsmodell noch ein wenig in die Zukunft zu retten. Wirtschaftsminister Altmaier hilft der alten Energiewirtschaft noch dabei – gegen die große Mehrheit der Wählerinnen und Wähler, gegen eine immer stärker werdende Gruppe ökologisch denkender Ökonomen und gegen die komplette Klimawissenschaft. Der gesamte Nachhaltigkeits-Index läuft schon seit Jahren besser als die alten Wirtschaftssektoren. „It´s the ecology, stupid“. Es gibt keine RWESonne und keinen E-on-Wind. Die Energiewende kann nur als Bürgerenergiewende funktionieren. Ein ehemaliger Umweltminister sollte dies eigentlich wissen. Alte Gewohnheiten waren noch nie eine sinnvolle Begründung, um an etwas festzuhalten, das eigentlich schon lange ausgedient hat. Peter Altmaier ist ein Politiker auf der Verliererstraße.

Bitte kein Mitleid, er ist selbst schuld. Wer zu spät kommt…

Aktuelle Artikel aus dem Solarzeitalter

  • Editorial 2 - 2020

    „Politische Konzepte zur Mobilisierung EE müssen (deshalb) die volkswirtschaftlichen Vorteile in einzelwirtschaftliche Anreize übersetzen. Diese Vorteile – und damit die eigenen volkswirtschaftlichen Spielräume für einen Energiewechsel – gehen aber verloren, wenn EE aus anderen Ländern importiert würden, wo sie kostengünstiger produziert werden könnten.Volks- und regionalwirtschaftliche statt isolierter betriebswirtschaftlicher Kalkulationen müssen deshalb der Maßstab für Transformationsstrategien sein.“

    Hermann Scheer (1944 – 2010)

  • Interview mit Uwe Leprich

    Interview erschienen im Solarzeitalter 2 - 2020

    Seit der Verabschiedung des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 wird dieses als Fördergesetz Erneuerbarer Energien im Rahmen von Novellierungen angepasst. Das ist notwendig und richtig so, allerdings haben wechselnde Regierungen und politische Einflussnahmen das Ursprungsgesetz bürokratisch überfrachtet und seine Wirksamkeit zur Einführung EE ins Gegenteil verkehrt.

  • Energiewende am Wendepunkt? Die EEG-Novelle 2021

    Beitrag von Nina Scheer, MdB, erschienen im Solarzeitalter 2 - 2020

    Mit der unter Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier entstandenen Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird die Energiewende an einen Wendepunkt gestellt: Geht der Gesetzentwurf in seiner vom Bundeskabinett verabschiedeten Form durch, wird ab 2021 der schleichende Ausstieg aus der Energiewende eingeleitet. (Ab) 2021 wird dann mehr installierte Leistung verloren gehen, als ausgebaut wird. In diesem Sinne bedarf es umfangreicher Änderungen, für die sich die SPD Fraktion im Parlamentarischen Verfahren einsetzt.

  • CCS - Carbon Capture and Storage: Aber wohin mit dem CO2?

    Artikel von Ulf Bossel, gekürzt erschienen im Solarzeitalter 2 - 2020

    Mit den drei Buchstaben CCS soll die Energiewelt verändert werden [1, 2, 3, 4]. „Carbon Capture and Storage“ beherrscht die Diskussion zur zukünftigen Stromversorgung mit Kohle. Würde das bei der Kohleverbrennung entstehende Kohlendioxid vom Rauchgas getrennt und entsorgt, würde Kohle zu einem sauberen Energieträger – so das Wunschdenken. Von „clean coal“ ist die Rede, von der Nachrüstung aller Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidern, vom sauberen Kohlestrom für die nächsten Generationen und, wie sollte es anders sein, von riesigen Investitionen in eine "nachhaltige" Zukunft.

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