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Erneuerbare Energien – Globale Sicherheit in Zeiten des Cyberkriegs

Anlässlich der Bonner Klimakonferenz, die vom 17. bis 27. Juni 2019 stattfindet, fordert EUROSOLAR eine längst überfällige Notfallreaktion: Den massiven Einsatz dezentraler erneuerbarer Energiesysteme. Denn auch die jüngsten Stromausfälle in Südamerika zeigen auf, warum Ziele und Methoden der internationalen Konferenzen und nationale Pfade noch immer völlig unzureichend sind.

Bonn, 18. Juni 2019. EUROSOLAR fordert die sofortige Umsetzung von lokalen, regionalen und nationalen Maßnahmen zum Umstieg auf Erneuerbare Energien, um unsere Städte, Gemeinden, Regionen und Länder dezentral auf eine zu 100 Prozent erneuerbare Basis zu stellen. Die Transformation Europas hat höchste Dringlichkeit – die derzeitigen Ziele einer Emissionsreduzierung um 40 Prozent bis 2030 (EU) oder eines Kohleausstiegs bis 2038 (Deutschland) sind zu langsam und vage. Eine vollständig erneuerbare Wirtschaft, die auf dezentralen, weitgehend lokalen Ressourcen basiert, braucht einen deutlich engeren Zeitrahmen.

Die Notstände der fossilen Energien – von der Erschöpfung konventioneller Ölquellen bis hin zum vollständigen Klimachaos – sind durch die Leichtigkeit, mit der zentralisierte Stromnetze zum Ziel militärischer Angriffe werden können, noch deutlicher geworden. Cyberkriege eskalieren zwischen verschiedenen Ländern, am deutlichsten zwischen den USA und Russland. Sie bedeuten den Angriff auf nationale Stromnetze und lebenswichtige Einrichtungen: thermische Kraftwerke, Krankenhäuser, Flughäfen, militärische Anlagen, Wasserversorgungssysteme sowie die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft.

Netzangriffe in der Ukraine, aber auch nicht identifizierte Ausfälle in Venezuela und zuletzt die Blackouts vom Sonntagmorgen, 16. Juni 2019, Ortszeit, in ganz Südamerika beweisen das Potential, durch Cyberkriegsführung ganze Länder und Kontinente in die Knie zu zwingen. Die Möglichkeiten gewinnen an Raffinesse und Aggression und können leicht außer Kontrolle geraten. Da Cyberkriegsführung fälschlicherweise als weniger gefährlich angesehen wird als ein Krieg mit konventionellen oder nuklearen Waffen, werden hier Entscheidungen auch an einen niedrigeren Rang – wie etwa den US-Verteidigungsminister – delegiert.

Das alles ist nur ein Teil der massiven Sicherheitsbedrohung, die von unseren veralteten Energiesystemen ausgeht: Durch Dürren und Hitzewellen bedroht der Klimawandel seit langem schon Atom- und Kohlekraftwerke und altmodische zentralisierte Stromnetze. Und doch wurde wenig getan, wenn man bedenkt, welche enormen Wirtschafts- und Beschäftigungsvorteile sich nachweislich aus einer vollständigen Umstellung auf Erneuerbare Energien ergeben. Dass die von EUROSOLAR seit dreißig Jahren verkündete Botschaft längst weltweit Allgemeinwissen geworden ist, aber immer noch viele Nationalstaaten und internationale Organisationen unberührt lässt, zeigt ein Leserbrief an die New York Times, von Scott Fordin aus New Hampshire am 16. Juni 2019:

„Wir müssen die Infrastruktur unserer Stromerzeugung und -verteilung von einem zentralisierten fossilbasierten Modell auf ein örtlich wesentlich begrenzteres und flexibleres Modell auf Basis Erneuerbarer Energien umstellen. Unser derzeitiges, zentralisiertes Modell birgt zahlreiche Probleme, einschließlich, aber nicht beschränkt auf:

1) Verwundbarkeit einzelner Angriffspunkten, die mit einem einzigen Schlag für den Zusammenbruch ganzer Landesteile sorgen könnten. 2) Massive Kosten für den Anlagenbau, die es unmöglich machen, Erzeugungsmethoden zu bewegen, umzubauen oder zu erneuern, wenn sich die Anforderungen oder Technologien ändern. 3) Massive Übertragungsverluste von Energie durch Tausende Kilometer Übertragungsleitungen. 4) Negative Umweltauswirkungen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, das Anhäufen von Atommüll und alle Übertragungsleitungen. 5) Negative Sicherheitsauswirkungen durch militärische Einsätze zur Sicherung fossiler Energiequellen auf der ganzen Welt.

Im Gegensatz dazu könnten kleinere Zusammenschlüsse von intelligenten Netzen auf Basis Erneuerbarer Energien viele Vorteile bieten, einschließlich, aber nicht beschränkt auf: 1) Im Gegensatz zu fossilen und nuklearen Quellen eignen sich erneuerbare Energieträger wie Solar und Wind für eine lokalisierte Produktion und Verteilung. 2) Ein lokalisiertes Modell bedeutet mehr Flexibilität im Hinblick auf den Bau und die Wartung von Anlagen. 3) Lokalisierte "intelligente" Netze könnten eine dynamische Umverteilung der Energie auf der Grundlage des unmittelbaren Bedarfs einer Region ermöglichen. 4) Mehrere Angriffspunkte bedeuten weniger Risiko, große Teile des Landes auf einmal zu zerstören. 5) Besser für die Umwelt. 6) Weniger Militär. 6) Jobs! Jobs! Jobs!“

Die Federal Emergency Management Agency (FEMA) der Vereinigten Staaten veröffentlichte bereits 1980 einen Bericht mit dem Titel „Verteilte, dezentralisierte und erneuerbare Energiequellen: Alternativen zu nationaler Verwundbarkeit und Krieg“, der eine landesweite Strategie für Erneuerbare Energien als Reaktion auf Bedrohung durch Kriege, Klima und Ölknappheit forderte. Der Bericht wurde schnell zu den Akten gelegt, ignoriert und vergessen – wie so viele andere nach ihm. Wir müssen endlich erkennen, dass wir mit dem Ignorieren aller Warnungen seit nun mehr einem halben Jahrhundert die Risiken der fossilen Energieträger erhöht haben. Sie eskalieren und drohen, außer Kontrolle zu geraten – während die Hinwendung zu Erneuerbaren Energien nichts als Vorteile bringt.

Professor Peter Droege, EUROSOLAR e.V. Präsident, für Vorstand und Kuratorium