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Presseerklärung von EUROSOLAR zur Übernahme von Innogy durch E.ON

Mit der heutigen Zustimmung der EU-Kommission steht dem Megadeal von E.ON und RWE nichts mehr im Weg. RWE bekommt alle Kraftwerke und fokussiert sich auf die Stromproduktion als dann beherrschender Stromproduzent Deutschlands. Mithilfe eines riesigen Kraftwerkparks kann RWE künftig die Preisbildung im Strommarkt beeinflussen oder EEG-Ausschreibungen nach Belieben steuern.

E.ON erhält mit allen Strom- und Gasverteilernetzen das lukrativste Geschäftsfeld und bedient das Endkundengeschäft dann als beherrschender Strom- und Gasvertrieb Deutschlands. Verteilnetze sind auch nach der  Liberalisierung des Strommarkts praktisch Monopolbereiche. Und der Betrieb des Netzes ist teurer als die Herstellung des Stroms. Verteilnetze sind Goldgruben: E.ON soll 50 Prozent der deutschen Stromnetze und 70 Prozent aller Stromkunden kontrollieren – 70 Prozent aller Gaskunden ebenfalls – und wird als dominierender Netzbetreiber die Standards der gesamten Branche setzen. Mit 20 Millionen Zählern ist die neue E.ON viermal größer als der nächste Wettbewerber.

„So will E.ON eine kritische Masse erreichen, um das Google des deutschen Energiemarkts zu werden“, so Axel Berg, Vorsitzender der deutschen Sektion von EUROSOLAR. „Die Funktionslogik ist der integrierte Konzern mit Netz, Messstellenbetrieb, Endkundenvertrieb und vielen neuen Geschäften.“

Heute endet die Rivalität der beiden Konzerne. Tatsächlich liegt ein schnelles Ende des Atom- und Kohlezeitalters jedoch nicht im Interesse der Beteiligten. Im Gegenteil: RWE und E.ON schleppen die Erneuerbaren nur so weit mit, wie es unbedingt nötig ist, um das Geschäft mit der konventionellen Stromproduktion zu stützen. Auch Energieexpertin Claudia Kemfert bewertet den Innogy-Deal als Rückschlag für die Energiewende.

Eine dezentrale Marktordnung mit vielen kleinen Stromproduzenten steht den Profit- und Wachstumszielen großer Energiekonzerne im Weg. Mit dem Deal wollen RWE und E.ON ihre alten zentralen Markt- und Machtstrukturen absichern. „Statt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen, positionieren sich die Großen gemeinsam gegen die Kleinen und gegen die Energiewende. Nach der vertikalen Integration der Märkte erfolgt jetzt die horizontale Aufteilung. Mit dezentraler Energiewende hat das nichts zu tun“, so Berg.

Die Bundesregierung kündigt zwar den großen Wurf für den 20. September an, doch bereits am 17. September wird ganz offen eine staatlich gelenkte Industriestrategie durchgedrückt. Eine Absage an die dezentrale Energiewende und Bestätigung für die Fridays-for-Future-Demonstranten, dass die Mächtigen ihnen nicht zu helfen gedenken.