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EUROSOLAR im weltweiten Klimanotstand: Aufruf zur Dekade der Regeneration

Für Klimastabilisierung mit 100 % Erneuerbaren Energien: Der neue Corona-Virus hält die Welt seit Wochen in Atem. Massive internationale Maßnahmen werden unternommen, die Pandemie einzudämmen, und sie davon abzuhalten, eine boomende Weltwirtschaft zu infizieren. Fast tausend Menschen fielen ihr bislang zum Opfer, und mehrere hunderttausend Menschen gelten bereits als betroffen.

Die fossile Pandemie ist jedoch weitaus gefährlicher, wird jedoch viel weniger entschlossen bekämpft, ja gerade noch aktiv angefacht. Der fossile Virus grassiert bereits seit Jahrzehnten, hat Abermillionen von Menschen getötet und unermessliches Leid angerichtet – in der Natur und in unserer konstruierten Welt. Das Fieber der fossil befeuerten Erderhitzung nimmt weiter ungehindert Fahrt auf: das Ignorieren über viele Jahre hinweg, zu wenige und halbherzige gesetzliche Maßnahmen – und sogar das aktive Bremsen von Eindämmungsversuchen wie Deutschlands ursprüngliche Energiewende – zeigen nun ihre fatalen Effekte.

Für alle, die noch Hoffnung hegen, Leben auf Erden zu erhalten, gibt es keine Alternative zum gezielten und kurzfristigen Beenden der Verbrennung aller fossilen Ressourcen – Kohle, Erdgas und Erdöl. Alle zentralen Systeme, insbesondere auch die, die auf atomaren Ressourcen basiert sind, sind angesichts der präzedenzlosen, unmittelbaren Bedrohung abzubauen und in einer Mobilisierung aller regenerativen Ressourcen für eine dezentrale erneuerbare Vollversorgung unmittelbar abzulösen.

Das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) hat große Fortschritte ermöglicht, zu einer Zeit vor 15 Jahren, als dieser Fortschritt noch eine langsamere Anpassung der Emissionen hätte ermöglichen können. Die Chance wurde in Deutschland spätestens ab 2012 mit der bewussten Deformierung des EEGs vertan. Bisherige Maßnahmen wie Zielsetzungen auf – weiter emittierende – ‚Klimaneutralität’ in angesichts der Klimadynamik viel zu langen Zeiträumen von 20-30 Jahren sind heute völlig unzureichend geworden.

Wesentlich schlagkräftigere Methoden sind nötig, ähnlich einer generellen Mobilmachung.

Dazu gehören:

• das Einführen eines Klimaverteidigungshaushaltes für den rapiden Ausstieg aus fossilen Energien und Umstieg in Erneuerbare Energien – dieser sollte mindestens 5-10 % des Bruttosozialproduktes ausmachen, ein Vier- bis Achtfaches unseres jetzigen Verteidigungshaushaltes, der im Interesse internationaler Zusammenarbeit und eines Fokussierens auf den gemeinsamen, existenziellen Feind abgebaut werden muss;

• fossile Industrien sind gezielt umzustrukturieren, durch technische Substitutionsprogramme, die Elimination struktureller Subventionen und wo gerechtfertigt, staatliche Hilfsmaßnahmen von Transformationshilfen bis Akquirierung von fossilen Anlagen zum Zweck ihrer Stilllegung;

• der rapide Abbau der massiv blockierenden Regelungen für erneuerbare Netze, Speicher und distributive Systeme;

• Arbeitsplätze sind durch priorisierte Strukturreformen und in geförderten Umschulungsmaßnahmen in regenerativen Industrien zu ersetzen;

• Emissionsziele sind völlig neu zu definieren. Klimaneutralität ist nicht genug, aber auch sogenannte Nullemissions-Ziele allein reichen nicht mehr aus. Die deutsche, europäische und weltweite Wirtschaft brauchen Strategien, die geeignet sind, die jetzigen Treibhausgas-(THG)-Konzentrationen in der Atmosphäre zu reduzieren;

• Fossile Ressourcen sind als giftig zu erklären, mit gesetzlichen Auslaufhorizonten.

Die Gegenwart und unmittelbare Zukunft fordern Bewältigung

Die fossile Zerstörung ist unübersehbar – überall, vom für manche unbedeutenden Aussterben der Hummeln in unseren Gärten bis zum Ersticken unserer Meere durch die globale Erhitzung und damit CO2-bedingte Versauerung.

Über eine Milliarde Lebewesen sind in den Klimabränden Australiens allein über den Jahreswechsel 2019/2020 ums Leben gekommen. Monatelang wüteten Feuer bisher ungekannten Ausmaßes auf dem fünften Kontinent: mehr als 120.000 Quadratkilometer Gemeinden, landwirtschaftliche Betriebe, Wald und Heide, eso groß wie ein Drittel Deutschlands – fielen den Flammen zum Opfer. Das lodernde Australien ist nur das letzte Glied in einer Kette von Brandkatastrophen, die verschiedene Erdteile immer stärker heimsuchen.

Klimaerhitzung als Folge der Pyromanie – und Rückkoppelungseffekt

Die ausschreitenden Brände sind nicht nur Symptom der voranschreitenden, fossil befeuerten Klimaerhitzung, sie befeuern diese auch selbst, denn sie machen einen immer größeren Anteil des in die Erdatmosphäre emittierten menschlichen CO2-Ausstoßes aus.

Ein Umdenken findet bei unseren Regierung jedoch nicht oder viel zu langsam statt, weder in Australien noch hier in Deutschland – die leitenden politischen Köpfe stecken fest im Teersand. So macht Canberra keine Anstalten, von der Kohle-Politik der führenden Parteienkoalition abzuweichen. Im vergangenen Sommer ist eine der größten Kohleminen der Welt vorläufig genehmigt worden, eine von vielen neuen fossilen Anlagen. Hier direkt am in der fossilen Klimakatastrophe bleichenden Great Barrier Reef soll der indische Konzern Adani, von Steuerzahlern finanziert, die weltgrößte Steinkohlemine entwickeln, die den klimaschädlichen Rohstoff sowohl unter als auch über Tage fördert. Einer der größten deutschen Konzerne ist auch mit dabei: Siemens-Chef Joe Kaeser will sich trotz enormen öffentlichen Drucks nicht von dem indischen Kohleminen-Großprojekt Carmichael verabschieden. Er zieht damit die Glaubwürdigkeit seines Unternehmens, das mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2030 wirbt, in Zweifel.

Tatsächlich liegt es nicht an Australiens eigenem Tun und Lassen, dass so viele Menschen, Tiere und Bäume ihr Leben lassen müssen. Die Bundesrepublik Deutschland liegt nach China, den USA, Indien, Russland und Japan auf Platz sechs der größten CO2-Emittenten. Deutschland importierte und verbrannte 5,2 Millionen Tonnen Steinkohle aus Australien in 2018 allein. Das waren 100 Millionen Tonnen australische Kohle, die hier seit 2000 verfeuert wurden, für fünf Milliarden Euro.

Mittäterschaft und deren Auswirkungen

Hierzulande und anderswo wird schon lange viel von Klimaanpassung gesprochen. Wie aber passt man sich an seine eigene Vernichtung an? Das fossile Verhalten unserer Wirtschaft hat Bedingungen geschaffen, in denen alles, was wir kennen, unterzugehen droht.

Laut der Studie „Lifting Europe’s Dark Cloud“ des European Environmental Bureau (EEB) und anderen Organisationen verloren im Jahr 2016 etwa 23.000 Menschen durch die Luftverschmutzung der Kohleverstromung allein vorzeitig ihr Leben. Positive, regenerative Aktionen sind effektiv und nachweislich konkret: nach dem Inkrafttreten der EU-Richtlinie zu Industrieemissionen konnten im Jahr 2016 knapp 12.00 verfrühte Todesfälle vermieden werden.

Auch über die menschlichen Kosten hinaus sind die fossilen Wirkungen spürbar und deutlich zu quantifizieren. So stellte der Deutsche Bauernverband 2018 einen landwirtschaftlichen Verlust von sechs Tonnen pro Hektar fest – das waren 18 % weniger Ertrag als im Vorjahr für Wintergerste allein. Die Kartoffelernte fiel um ganze 25 % weniger aus. Die Bauern forderten eine Milliarde Entschädigung. Die wirkliche und reale Bedrohung sind jedoch Hungersnöte – auch hier in Deutschland und Europa.

Und auch für die Wirtschaft ist eine Politik der fossilen Energien, wie sie bislang trotz Lippenbekenntnissen zum Klimaschutz weiter betrieben wird, verheerend. Hunderttausende Arbeitsplätze eines nachhaltigen und zukunftsträchtigen Wirtschaftszweiges sind seit 2010 in Deutschland einer zynischen fossilen Lobbypolitik zum Opfer gefallen. Weder Ziele noch Methoden des Pariser Klimaabkommens oder des Europäischen Green Deals sind auch nur annähernd ausreichend, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Die Klimastrategie der Bundesrepublik kann hier nur als weiter klimaerhitzend bezeichnet werden.

Aktionen als Mutmacher: Mobilisierung für Stabilisierung des Klimas

Diese Fakten allein können lähmend wirken, lassen aber nur einen Schluss zu: Wenn wir nicht im Schutz von Abermilliarden Lebewesen, für die wir Verantwortung tragen, versagen und auch nicht scheitern wollen, das Überleben unserer eigenen Art zu sichern, dann sind nie dagewesene oder vorgestellte, konsequente Anstrengungen nötig, die rapiden Mobilmachungen gegen große existenzielle Bedrohungen gleichkommen. Das Ergreifen konkreter Schritte, durch eine schnell konzipierte Notmmobilisierung und Finanzierung Erneuerbarer Energien, Beendung fossiler Subventionen, strukturelle Umbaumaßnahmen im Energiesektor und gezielte gesellschaftliche Transformationen und Anpassungen hin zu einer regenerativen Welt sind unaufschiebbar.

Unterstützen Sie EUROSOLARs Aufruf für eine beispiellose und dringend notwendige Regenerative Dekade, in der die vollständige Versorgung mit Erneuerbaren Energien die Minimalforderung ist. Durch sie wird unsere Wirtschaft nicht nur nachhaltig resilienter, sondern auch sozial verträglich gestaltet – in Mut machender und zukunftssichernder Weise. EUROSOLAR entwickelt seit mehr als 30 Jahren Politikvorschläge, Gesetzgebung, Veranstaltungen und sogar Institutionen – vom EEG bis zur IRENA. Wir haben auch hunderte erfolgreicher Beispiele gesammelt und publiziert, in Büchern, Zeitschriften, Konferenzen sowie unseren jährlich vergebenen Solarpreisen.

Diese Fülle an Energie und Erfahrung nutzen wir, gemeinsam mit unseren Mitstreiterinnen und Mitstreitern, um den Weg in eine Regenerative Welt zu begehen. Ihre Spende von 10, 20, 50, 100 oder mehr Euro hilft uns ganz konkret, das Jahr 2020 zum Jahr des Beginns der Dekade der Regeneration zu machen, gemeinsam mit unseren vielen aktiven Partnern.

Prof. Peter Droege, Präsident EUROSOLAR e.V., im Februar 2020

 

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