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Neujahrsgruß 2019

Die Zeit der Verwirklichung ist da: das Jahr der regenerativen Resilienz

Artikel von Peter Droege, erschienen im Solarzeitalter 04-2018

2018 war ein überaus aktives Jahr für uns, mit vielen Programmen und Veranstaltungen, viele in unserem heimatlichen Bonn, in Berlin – und in zahlreichen Städten und Regionen unserer Sektionen. Es war ein Jahr der Erneuerung, Stärkung und Vorbereitung.

In EUROSOLARs 31. Jahr werden wir reif für unsere Bestimmung: verantwortungsbewusst, mit unserer Aufgabe im Auge – klarer als je zuvor. Der Umbau Europas und Deutschlands in eine erneuerbare Welt – aufgeschoben durch Widerstände der alten Garde – ist lange überfällig. Wir haben die Instrumente und die Begeisterung, die große Umsetzung herbeizuführen.

2018 war ein Jahr der Reflektion und des Fokussierens auf die enorme Aufgabe vor uns. Denn in 2019 wird EUROSOLAR, werden wir alle – Mitglieder, Mitarbeiter, Vorstände, Kuratorium, Präsidium – gefordert sein wie nie zuvor: Die Aufgabe ist herausfordernder und dringender geworden, unser Einsatz und Engagement dreier Jahrzehnte lohnender als je zuvor. Buchstäblich alles steht auf dem Spiel.

Wir erinnern uns: Das konventionelle Erdölfördermaximum wurde – sogar laut Fatih Birol, Chefökonom der notorisch öl-optimistischen Internationale Energieagentur (IEA) – bereits vor zwölf Jahren überschritten, und ohne neue „erfolgreiche“ Förderinvestitionen laut „World Energy Outlook 2018“ der IEA wird auch das unkonventionelle Maximum bereits in den frühen 2020er Jahren erreicht sein.

Das lange bekannte Prinzip der Endlichkeit der Ölreserven hat den Impuls zur erneuerbaren Wende Anfang der 2000er Jahren mit angetrieben. Doch war die Flut der nichtkonventionellen Erdölvorhaben aus Tiefseebohrungen, Erdölschiefern und Teersanden kombiniert mit geopolitisch motivierter Preispolitik so überwältigend und der resultierende Niedrigpreis der letzten Jahre so ablenkend, dass viele gar vergaßen, dass der Erdball ja nicht gerade prall mit Erdöl und Erdgas gefüllt ist. Kohlenwasserstoffförderung ist zum globalen Verlustgeschäft geworden; neue Investitionen stocken – das Fördermaximum rückt immer näher im nichtkonventionellen Förderbereich, der deutlich teurer und schwieriger ist.

Doch noch eine enormere Entwicklung trat 2018 in unser erlebtes Bewusstsein: Dieses Jahr sah Deutschlands und Europas Böden und Gewässer besonders austrocknen. Das ist das Resultat der durch ein Jahrhundert fossiler Emissionsaustöße geschmolzenen Arktis und derer strato- und troposphärischer Hitzewellen, die den Polarwirbel destabilisierten und dadurch das Windsystem des Strahlstroms durcheinander brachten und gar blockierten. Die aus meteorologischer Sicht vollkommen ungewöhnliche fossile Dürre macht deutlich, dass die Zeit des Umsetzens der existenziell essenziellen Erneuerbaren Energien überfällig geworden ist. Keine Ausreden aus Berlin oder Brüssel helfen mehr.

Wir haben genug von Flüssiggas, Benzin, Diesel und Heizöl, und sind der Kohle übersatt. Die Sonne bringt uns nicht nur heimische Energie. Sie bringt Innovation, Fortschritt, Beschäftigung und eine Chance auf Zukunft. Wir haben auch genug von industrieller Landwirtschaft und dem großindustriellen Abholzen, dem globalen Transportieren und Verbrennen von Bäumen als „Biomasse“. Wir wollen die breite, begeisterte Wende zu lokalen und regionalen, nachhaltigen Anwendungen von Sonne, Wind, Wasser und der Gewinnung von Biogas aus organischem „Abfall“. Wir wissen, dass Deutschland und Europa auf lokalen und regionalen Speichersystemen und Netzen basiert voll erneuerbar versorgt werden kann – und es auch werden muss. Die Wende hin zu einer Erneuerbaren Moderne ist schon jetzt unbestreitbar und messbar da. Sie muss allerdings noch unfassbar schneller und schneller umfassender werden.

Wir bei EUROSOLAR stellen uns der Verantwortung, den nun präzedenzlos massiven, umfassenden und rapide regenerativen Umbau zu fordern und zu begleiten. Er stellt die Chance dar zu einer neuen und friedlichen Prosperität – und die Chance auf Abwendung des Klimakollapses in der Welt, in Europa und Deutschland. Deutschland und Europa haben weiterhin eine weltweite Vorbildfunktion.

Deutschland und Europa brauchen jedoch harte Offenheit unserer Lage gegenüber, um das Aufwachen und eine regenerative Umstrukturierung der Energie- und Bodensysteme zu ermöglichen. Ohne dieses Erwachen werden wir weiter in einer politischen Schein-Wirklichkeit ohne echte energetische Demokratie dahinvegetieren, auf einem unstabilen, bereits hie und da brennenden Kontinent. Das ewige Zweifeln an der solaren Wende, die pyromanische Sucht der Kohle-, Gas- und Erdölverbrennung, und auch die in Europa noch weiter gängigen desaströsen Landwirtschaftspraktiken müssen nun ein Ende nehmen. Die vollständig regenerative Mobilisation innerhalb von Monaten – nicht Jahrzehnten – ist unabdingbar geworden.

Hierfür hat EUROSOLAR über drei Jahrzehnte Politik formuliert und auf Veranstaltungen wie Konferenzen und Solarpreisen praktische Wege aufgezeigt: Wege, die nun Teil der regenerativen Generalmobilisation werden müssen. 2019 wird ein Jahr für neue und völlig umfassende Aufgaben für die demokratische Politik, den Haushalt, die Entflechtung politischer Abhängigkeiten, glasklaren Fokus auf die enorme Bedrohung und deren bekannte Lösungen – und somit die große Umstrukturierung, wie wir sie lange vorbereitet und gefordert haben. Das wird unsere Aufgabe, für die wir Eure Hilfe und aktive Mitarbeit brauchen, in diesem alles entscheidenden Jahr. Denn die Zeit für Zweifel ist vorbei.

Ein energiespendendes Fest und Neues Jahr zusammen in unserer großen Familie wünsche ich uns allen.

Prof. Peter Droege, Präsident EUROSOLAR

Den vollständigen Text finden Sie auch hier als PDF-Dokument.

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    Editorial von Irm Scheer-Pontenagel, erschienen im Solarzeitalter 04/2018

    „Zwar können bei Kosten- und Preisvorteilen erneuerbarer Energien ab einem bestimmten Zeitpunkt die Garantievergütungen entfallen, aber nicht die Vorrangstellung, die den bleibenden höheren gesellschaftlichen Wert erneuerbarer Energien markiert.“

    Hermann Scheer (1944 – 2010)

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    Am 26. Januar 2019 jährt sich die Gründung der International Renewable Energy Agency (IRENA) zum zehnten Mal. Hermann Scheer hatte sich seit Anfang der 1990er Jahre kontinuierlich und unermüdlich für die Gründung einer solchen Agentur als Gegenpol zur Internationalen Energieagentur (IEA) stark gemacht.