Logo Eurosolar

Nachbericht: 5. IRES-Symposium 2018

Speicher und Flexibilitätsoptionen in der Infrastrukturplanung für die Energiewende

Eine verlässliche Infrastruktur mit Speicher- und Flexibilitätsoptionen ist der Schlüssel für eine erfolgreiche dezentrale Energiewende. Sie war deshalb Kernthema des 5. IRES-Symposiums am 8. November im VKU-Forum in Berlin. Ergänzend zur IRES-Konferenz im März organisierte EUROSOLAR gemeinsam mit der EnergieAgentur.NRW und mit freundlicher Unterstützung der VRD Stiftung für Erneuerbare Energien die Fachveranstaltung.

EUROSOLAR-Vizepräsident Dr. Fabio Longo begrüßte die Teilnehmenden des Symposiums in einer kurzen Ansprache. Er betonte die Bedeutung der bürgergetragenen Energiewende: „Technokratische Ansätze werden scheitern, die Energiewende gelingt nur dezentral mit den Menschen vor Ort“, sagte Dr. Longo. Für die Entscheidungsträger der Energiepolitik gelte es, Fortschritte zuzulassen und die „Bremsen“ der dezentralen Energiewende zu lösen, anstatt sie anzuziehen.

In seinem Grußwort hob Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, die gute Kooperation mit EUROSOLAR bei der IRES-Konferenz und dem Symposium hervor, die seit mehr als 10 Jahren bestehe. Beide Veranstaltungen behandelten die Energiefrage in Hinblick auf Ausbauszenarien, Sektorenkopplung und vor allem Speichertechnik, die für  NRW und Deutschland essentiell sei. Denn trotz der offensichtlich nicht mehr erreichbaren Klimaziele werden Bund und Länder weiter den Weg in Richtung vollständiger Dekarbonisierung aller Sektoren gehen, so Schneider.

Im der darauffolgenden Keynote referierte Dominic Nailis vom Büro für Energiewirtschaft (BET) über Herausforderungen beim netzsynchronen Ausbau der Erneuerbaren. Darin betonte er, dass einzelne Maßnahmen wie Netz- und Speicherausbau beziehungsweise Höherauslastung des Netzes für sich genommen nicht alle Probleme lösen können und die Maßnahmen somit ineinander greifen müssen. Er wies außerdem darauf hin, dass die Öffentlichkeit die existentielle Bedeutung der Energiewende teils noch verkenne. Hier gelte sei es wichtig, sich für einen gesellschaftlichen Konsens einzusetzen.

Anschließend äußerten sich vier Referenten in kurzen Statements zu den Herausforderungen an Infrastruktur und Netzausbau. Als erster plädierte Dr. Erik Riedel vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion für einen schnellen Aufbau von Power-to-Gas-Anlagen im industriellen Maßstab, der allerdings zunächst die passenden regulatorischen Rahmenbedingungen erfordere. Dr. Frank Pieper (WSW Netz) legte dar, dass sich Deutschland mit der Energiewende für ein dezentrales Energiesystem entschieden habe. Dafür seien die Verteilnetze das Fundament, denn 2030 würden rund 190 GW und damit etwa 90 % der Erneuerbaren-Erzeugungs-Leistung an den Verteilnetze angeschlossen sein – gegenüber lediglich 19 GW in den Übertragungsnetzen. Eine massive Verlagerung von Flexibilitätsoptionen in die Verteilnetze sei die Folge, aus der mehr Systemverantwortung für die Verteilnetzbetreiber hervorginge.

Deren Rolle, so Dr. Pieper, müsse folgerichtig auch im Energiewirtschaftsgesetz gestärkt werden. Dr. Philipp Fest vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE) berichtete über den Stand des Ausbaus der Übertragungs- und Verteilnetze in NRW. Bisherige Bauvorhaben fanden in einem Ausmaß statt, das leicht über dem geforderten Niveau liegt, allerdings sähen die Planungen für die kommenden Jahre wesentlich schneller wachsende Netze vor, als es bisher der Fall war. Dr. Longo pflichtete Dr. Pieper bei und betonte die größer werdende Relevanz der Verteilnetzbetreiber. In der anschließenden Podiumsdiskussion unter Moderation von Prof.  Dirk Uwe Sauer (RWTH Aachen) diskutierten Referenten und Teilnehmende die verschiedenen Netzausbauszenarien.

Prof. Dr. Michael Sterner von der OTH Regensburg machte in seinem Impulsvortrag deutlich: Wenn unsere Gesellschaft die Pariser Klimaziele einhalten wollte, müsste sie es bewerkstelligen, in etwa 30 Jahren kein CO₂ mehr zu emittieren. Energieeinsparung und bedeutend mehr Aufforstung seien dafür  notwendig – zusammen mit Solar- und Windenergie für Wärme, Strom, Industrie und Mobilität. Der Schlüssel zu Emissionseinsparungen sei die Sektorenkopplung: Eine Verkettung der Sektoren Gas, Wärme, Strom, Chemie und Verkehr könne genutzt werden, um Stromüberschüsse zu speichern und bedarfsgerecht umzuwandeln.

In der anschließenden parlamentarische Podiumsdiskussion diskutierten Timon Gremmels (SPD), Prof. Dr. Martin Neumann (FDP) und Dr. Ingrid Nestle (Bündnis 90/Die Grünen) lebhaft über die Herausforderungen an die Infrastrukturplanungen. Einigkeit herrschte darin, dass die Pariser Klimaziele ein viel ambitionierteres Vorgehen der Bundesregierung hinsichtlich des Ausbaus Erneuerbarer Energien erfordere. Nach der Diskussion ging es um die konkreten Hindernisse, die noch immer die flächendecke Integration von Speichertechnologien verlangsamen. Dr. Matthias Leuthold (RES Deutschland) identifizierte diese aus wirtschaftlicher und David Rechwein (von Bredow Valentin Herz) aus juristischer Perspektive.

Das Schlusswort hatte Bernhard Strohmayer, Referent für Energiemärkte und Mobilität beim Bundesverband Erneuerbarer Energie e.V. der ein Zeit- und Mengengerüst für den Ausbau Erneuerbarer Energien sowie den Abbau Energierechtlicher und wirtschaftlicher Barrieren forderte, damit eine bessere Infrastrukturausnutzung durch die Sektorenkopplung und der Speicherausbau nicht behindert werden. Es sei wichtig, Flexibilitäten auf im Energiesystem auf Abnehmer- und Erzeugerseite zu nutzen.

Auf unserer Internetseite finden Sie einige Fotos zum 5. IRES-Symposium. Wir bedanken uns recht herzlich bei Prof. Dr. Sauer für die Moderation der Diskussionsrunde und bei der EnergieAgentur.NRW für eine weitere tolle Veranstaltung und die ausgezeichnete Zusammenarbeit sowie bei der VRD-Stiftung für Erneuerbare Energien für die großzügige Unterstützung.

 

 

Programm Symp18

Das Programm als PDF gibt es hier.