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Energiewende von Stadtwerken für Stadtwerke: EUROSOLAR-Konferenz in Marburg zeigt Wege für Kommunalversorger auf

Marburg, 16. Mai 2019. Heute Nachmittag fand die 13. EUROSOLAR-Konferenz „Stadtwerke mit Erneuerbaren Energien“ in Marburg ihren erfolgreichen Abschluss. Gemeinsam mit der Stadtwerke Marburg GmbH hatte EUROSOLAR e.V. eingeladen, die Chancen der dezentralen Energiewende für Kommunalversorger zu beleuchten. Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet tauschten sich über die Rolle der Stadtwerke bei der Energieversorgung der Zukunft aus. Regionale Marktplätze spielten dabei eine ebenso große Rolle wie Mieterstrommodelle, Sektorenkopplung und intelligente Netze.

Pressebilder: https://flic.kr/s/aHsmykAP6r

Hessens Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir fand in seiner Auftaktrede deutliche Worte: „Einer der großen Vorteile der Energiewende ist die dezentrale Wertschöpfung. Stadtwerke und Kommunen sind Vorreiter bei der Entwicklung von Modellen, um die Bürgerinnen und Bürger daran teilhaben zu lassen – ein wichtiger Beitrag zur Akzeptanz, die die Energiewende braucht, damit Hessen seinen Bedarf im Jahr 2050 aus erneuerbaren Quellen decken kann. Um dabei weiter voran zu kommen, wollen wir in den kommenden Jahren insbesondere der solaren Energienutzung einen neuen Schub geben. Wir werden eine umfassende Beratungsinitiative starten, das Solarkataster weiterentwickeln, verstärkt Landesliegenschaften für Photovoltaik und Solarthermie nutzen und technologische Leuchtturmprojekte fördern.“

Einen Überblick über das Engagement seiner Stadt gab Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies: „Die Universitätsstadt Marburg ist sich ihrer Verantwortung im Klimaschutz bewusst. Das 1,5-Grad-Ziel können wir nur mit Bund und Land gemeinsam erreichen, doch auch als Kommune wollen und müssen wir handeln. Dabei müssen Menschen mit kleinem Einkommen geschützt werden. Die Stadtwerke sind hierfür ein wichtiger Partner. Vom Mieterstrom, bei dem die Mieterschaft von günstiger Solarenergie profitiert, über die Elektrifizierung der Busse, die Förderung der Elektromobilität und der regenerativen Energien bis hin zum sozialen Energiebonus für warmmietenneutrale Gebäudemodernisierungen – wir sind zusammen auf einem guten Weg.“

Enormes Entwicklungspotential

Im Jahr 2013 hat die Stadt Marburg das Potential für Erneuerbare Energien in einem Klimaschutz-Teilkonzept untersuchen lassen. Das Ergebnis: Theoretisch sind 45 Prozent der Dach- und Fassadenflächen für die Nutzung von Solarenergie geeignet. Durch die Nutzung von Photovoltaik und Solarthermie auf den realistisch nutzbaren Flächen könnten bis zu 40.000 Tonnen CO2 eingespart werden

Unterdessen hob EUROSOLAR-Vizepräsident Dr. Fabio Longo die Bedeutung kommunaler Akteure für das Gelingen der dezentralen Energiewende hervor: „Erneuerbare fallen überall dezentral an. Und Stadtwerke sind als kommunale Unternehmen dezentral – nah bei den Menschen – organisiert. Wenn man die Energiewende den großen Konzernen überlässt, liegen riesige Potenziale brach. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn das gesellschaftliche Potenzial zur Mobilisierung der Erneuerbaren Energien in den Kommunen gehoben wird. Von der heutigen Stadtwerke-Konferenz in der Solarstadt Marburg geht ein Signal des Aufbruchs für solaren Mieterstrom aus. Um das kommunale Engagement auch in den nächsten Jahren fortsetzen zu können, muss die Bundesregierung endlich den absurden Solardeckel im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abschaffen. Die zügig nötige Energiewende klappt nur mit dem Ausbau des günstigen Solarstroms für alle.“

Holger Armbrüster, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg GmbH, erklärte: „Die kommunalen Versorger sind der Motor der Energiewende. In Marburg ist im Bereich der Erneuerbaren Energien schon viel passiert. Als einer der ersten Versorger überhaupt haben die Stadtwerke Marburg bereits 2009 angefangen, alle Haushaltskunden mit 100 Prozent Ökostrom zu versorgen. Vor allem bei der Solarenergie haben wir eine Vorreiterrolle eingenommen und bereits 1995 die erste Photovoltaikanlage in Marburg in Betrieb genommen. Daneben sind wir auch an vielen weiteren Anlagen beteiligt. Aber auch die Bürgerinnen und Bürger spielen bei der Energiewende eine tragende Rolle. So haben wir gemeinsam mit der GeWoBau ein Mieterstromprojekt auf den Weg gebracht, bei dem die Mieter den Sonnenstrom vom eigenen Dach nutzen können“.

Bei den Besucherinnen und Besuchern erfreuten sich beide Konferenztage großer Beliebtheit. Besonders die fruchtbare Kombination von Impulsen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wussten die Gäste zu schätzen. Die Schwerpunkte des ersten Tages lagen dabei auf Best-Practice-Beispielen und Mieterstrommodellen. Hier zeigte sich, wie Energiewende von unten funktionieren kann: Trotz des gesetzlichen Rahmens, dem die Expertinnen und Experten Verbesserungspotential attestierten, können Stadtwerke auch heute schon zahlreiche gelungene Projekte vorweisen. Über die tauschten sich die Besucherinnen und Besucher auch beim Abendempfang in lockerer Runde aus. Der zweite Konferenztag startete mit einer Einführung zur Sektorenkopplung, bevor verschiedene Technologien wie Elektromobilität, KWK und dezentrale Energiespeicher Beachtung fanden. Am Nachmittag stand der Status der Digitalisierung bei der Energiewende ebenso im Fokus wie intelligente Verteilnetze. Denn die Energiewende – da war man sich einig – geschieht vor Ort.