“Wer Energiesicherheit will, muss den erneuerbaren Kurs verstärken”

Interview mit Simone Peter

Dr. Simone Peter gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Energiewende. Früh hat sie bei EUROSOLAR Verantwortung getragen, eng mit Hermann Scheer zusammengearbeitet und das SOLARZEITALTER mitgestaltet – zu einer Zeit, als die Idee einer vollständig erneuerbaren Energieversorgung noch als Vision galt und der Mainstream dies als Spinnerei abgetan hat. Später hat sie den Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) mehrere Jahre als Präsidentin geführt und der Branche eine starke, sichtbare Stimme im politischen Berlin gegeben, während die Erneuerbaren zunächst einmal im Stromsystem zum dominierenden Energieträger mit einem Anteil von inzwischen über 50 Prozent heranwuchsen. Für ihr besonderes persönliches Engagement ist sie nun von EUROSOLAR in Düsseldorf mit dem Deutschen Solarpreis ausgezeichnet worden (siehe S. 41). Für uns Anlass für ein Gespräch über Wegmarken, politische Kämpfe und die Zukunft der Energiewende.

SOLARZEITALTER: EUROSOLAR und die Zusammenarbeit mit dem Spiritus Rector der Energiewende, Hermann Scheer, waren für seine Wegbegleiter eine politische und intellektuelle Schule. Wie hat Dich diese Zeit für Deine weitere berufliche Laufbahn bis heute geprägt?

Simone Peter: Die Jahre bei EUROSOLAR und die enge Zusammenarbeit mit Hermann Scheer haben meinen Lebenslauf nachhaltig geprägt. Dort habe ich an der Vision von 100 Prozent Erneuerbaren konkret mitgearbeitet und bin ihr bis heute treu geblieben. Einer Idee, die von Hermann Scheer nicht nur konzeptionell, sondern auch strategisch national, europäisch und international entwickelt worden ist. Er hat damit auch ganz entscheidend Impulse gesetzt, die die Energierevolution national und global angestoßen haben: Das 100.000-Dächer-Solarstrom-Programm (1999) und das weltweit kopierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (2000) bis hin zu Initiativen wie dem Weltrat für Erneuerbare Energien (WCRE) und der Gründung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA), an deren inhaltlicher Vorarbeit EUROSOLAR maßgeblich beteiligt war. Hermann Scheer hat stets gezeigt, dass die Energiewende nur durch die Einbindung aller Sektoren gelingen kann. Seine mutmachenden Botschaften, seine Fähigkeit, politische Auseinandersetzungen zu führen und in konkrete Politik münden zu lassen, und sein klarer Blick für langfristige Perspektiven, haben mich tief beeindruckt. Wer mit ihm gearbeitet hat, war schnell von seinen Zielen und der Strategie überzeugt.

SOLARZEITALTER:  Während Deiner Präsidentschaft ist der BEE deutlich sichtbar geworden, gerade im politischen Berlin – man denke etwa an die Besuche des Bundeskanzlers, des Wirtschaftsministers und der DGB-Vorsitzenden beim BEE-Sommerfest. Wird der BEE heute als ernstzunehmender Gesprächspartner gehört, wenn energiepolitische Weichen gestellt werden?

Simone Peter: Der BEE ist unter meiner Präsidentschaft als verlässliche, kompetente Kraft im politischen Berlin wahrgenommen worden, und dies wird auch mit der Präsidentschaft von Ursula Heinen-Esser der Fall sein. Seit über 30 Jahren vertritt der BEE die Energiewende „aus einem Guss“: Alle erneuerbaren Sparten sind zusammen mit der Sektorenkopplung, Speichern, Flexibilität und digitaler Infrastruktur integraler Bestandteil eines modernen Energiesystems. Das entspricht im Kern auch den Leitgedanken, die Hermann Scheer vorgedacht hat. Der Verband ist die einzige Stimme im politischen Berlin, die konsequent für 100 Prozent Erneuerbare Energien eintritt und deren Bedeutung für Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz verständlich macht. Hinzu kommen die Landesverbände Erneuerbare Energien in allen Bundesländern, die diese Rolle föderal ausfüllen und zur Wertschöpfung und Akzeptanz vor Ort beitragen. Nur dezentrale heimische Erneuerbare Energien können Resilienz für Wirtschaft und Gesellschaft aufbauen, weil wir nur durch sie die Abhängigkeit fossiler und nuklearer Importenergieträger überwinden können. Das ist eine Lehre aus der Energie- und Kostenkrise 2022, die eine Energieimportkrise gewesen ist, und unsere Verwundbarkeit einer einseitigen Energieabhängigkeit von wenigen Großmächten vor Augen geführt hat. Das gilt nicht nur für russisches Erdgas. Angesichts der Provokationen der Trump-Administration gegenüber Europa und der angespannten Sicherheitslage durch die Kriegsführung im Nahen Osten müssen wir auch den Trend des dramatisch wachsenden Anteils an LNG-Importen umkehren.

SOLARZEITALTER:  Weltweit werden bei Investitionsentscheidungen Erneuerbare Energien mit großem Abstand fossilen und nuklearen Technologien vorgezogen – vor allem, weil sie die günstigste Form der Energieerzeugung sind (siehe Stöcker-Interview S. 16). Was würde ein nationaler Alleingang zur Ausbremsung der Energiewende, wie er von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) skizziert wird, für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland bedeuten? Droht nach der Solar- und Batteriezellenindustrie auch der Verlust der Windindustrie an China?

Simone Peter: Zunächst einmal stelle ich fest, dass seit Regierungsbeginn vor allem unausgegorene Ankündigungen die Energiepolitik der Ministerin prägen: Durchgestochene Gesetzentwürfe zum EEG 2027, das unter anderem die Förderung von PV-Dachanlagen kassiert, und zum Netzpaket, das den Einspeisevorrang von Erneuerbaren aushebeln soll, zudem die Eckpunkte für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz, das die Ambition des 65-Prozent-Erneuerbaren-Anteils streicht, und für ein Wasserstoffbeschleunigungsgesetz mit fragwürdigen Akzenten zu fossilem (blauen) Wasserstoff. Eigentlich hätte der Monitoringbericht zur Energiewende für das Bundeswirtschaftsministerium (2025) eine gute Grundlage für die Weiterarbeit der Bundesregierung geboten, denn er hat klar herausgearbeitet, dass Kosteneffizienz in der Energiewende heißt, Erneuerbare weiter ambitioniert auszubauen und das System deren Bedürfnissen anzupassen. Dieser Bericht wurde aber noch am gleichen Tage seiner Vorstellung durch den „10 Punkte Plan“ von Wirtschaftsministerin Reiche konterkariert. Das Reiche-Papier schwebt im luftleeren Raum. Es fußt weder auf dem Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung (gesicherter Investitionsrahmen für den weiteren Hochlauf von Erneuerbaren und Speichern), noch kann es sich auf die Expertise des Monitoringberichts stützen.

Während sich einerseits eine weder demokratisch noch fachlich gerechtfertigte Politik gegen Erneuerbare Energien abzeichnet, verfolgt Frau Reiche eine klare fossile und zunehmend auch nukleare Agenda. Konkret ist ihre Kraftwerksstrategie für neue Erdgaskraftwerke, die fossile Strukturen zementieren und erneuerbare Back up Kapazitäten wie Biogas, Speicher oder Verbraucherflexibilität in den Hintergrund drängen würden. Sorgen bereitet mir auch Reiches positive Bezugnahme auf Small Modular Reactors (SMR), die sie öffentlich im Rahmenprogramm der Münchner Sicherheitskonferenz geäußert hat. Die Vorstellungen der Ministerin kommen aus einer Phantasiewelt. Sie behauptet, SMR könnten einen Beitrag zu einem resilienten, dezentralen und CO₂ armen Energiesystem leisten und für Energiesouveränität sorgen. Sie schließt nicht einmal mehr aus, dass SMR im Rahmen der „Technologieoffenheit“ künftig auch in Deutschland eingesetzt werden könnten. SMR von der Stange, die dazu noch günstigen Strom liefern sollen, sind allerdings eine Illusion. Solche Konzepte befinden sich erst in der Entwicklungsphase, und es ist schon jetzt absehbar, dass die Kilowattstunde Strom aus SMR teurer ist als aus herkömmlichen großen Reaktoren. Zur sog. Energiesouveränität können SMR schon gar nicht beitragen, weil der Rohstoff Uran begrenzt ist und gerade bei der Urananreicherung für Brennelemente für SMR eine noch höhere Abhängigkeit zum Hauptlieferanten Russland besteht als bei herkömmlichen Atomreaktoren.

Realpolitik geht anders. Wer Energiesicherheit, Preisgünstigkeit und Klimaschutz wirklich will, muss den eingeschlagenen erneuerbaren Kurs fortsetzen und verstärken – Reiches Zickzack hingegen ist Gift für die Wirtschaft, was auch ein aktueller Appell tausender Unternehmen zeigt. Deutschland und auch Europa sind nur zukunftsfähig, wenn die drei Pfade konsequent verfolgt werden: Erstens den Ausbau der Erneuerbaren Energien verstetigen und weiter beschleunigen, zweitens den Atomausstieg vollenden, der in Deutschland auf der Kraftwerksseite abgeschlossen ist und auch in der EU und sogar in Frankreich faktisch läuft, und drittens die fossilen Energieträger schrittweise ablösen, nicht nur beim Strom, sondern auch bei Wärme, Mobilität und in der Industrie.

Die Potenziale sind vorhanden und die Akteure stehen bereit. Nur so kann Deutschland im globalen Wettbewerb bestehen, in dem die Erneuerbaren längst die führenden Zukunftstechnologien sind.

SOLARZEITALTER: Große Unruhe hat zuletzt ein durchgesickertes Netzpaket ausgelöst (siehe Hausemann, S. 37): Wind- und Solaranlagen sollen über lange Zeiträume ohne Entschädigung abgeregelt werden können, während gleichzeitig Milliarden in Netze und Speicher investiert werden müssten. Viele fordern statt weiterer EEG- und EnWG-Reparaturen eine grundlegend neue Energiemarktordnung, die die Logik der Erneuerbaren ins Zentrum stellt. Hat diese Bundesregierung die Kraft für einen solchen großen Wurf – oder droht ein energiepolitisches Rollback?

Simone Peter: Um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Klimaschutz zu erreichen, muss die Umstellung auf Erneuerbare Energien erreicht werden. Das gelingt nicht, wenn der Vorrang für Erneuerbare Energien geschliffen und der Redispatch zunichte gemacht wird. Eine moderne Marktordnung muss sich an den Bedürfnissen der Erneuerbaren ausrichten: verpflichtender Netzanschluss, zügiger Netzausbau, Digitalisierung und Investitionssicherheit für Erneuerbare und Speicher. Vieles davon könnte regulatorisch relativ einfach umgesetzt werden – und würde das Gesamtsystem kostengünstiger machen, wie es auch der Monitoringbericht der Energiewende empfiehlt.

Die Frage ist daher weniger, ob ein großer Wurf möglich ist, sondern ob die Bundesregierung den Mut hat, ihn tatsächlich anzugehen. Die gesetzgeberischen Maßnahmen sind kein Zauberwerk, und in der Ampel ist wichtige Vorarbeit geleistet worden. In den diesjährigen Novellen der Energiegesetze könnten die Weichen gestellt werden, z.B. mit einer einfachen und praxisgerechten Ausgestaltung des Prinzips EE-Strom zu nutzen statt EE-Anlagen abzuregeln, damit etwa bei Überschusssituationen Power-to-Heat in Fernwärmenetzen eingesetzt wird; mit einer Mengenförderung statt 20-jährigem Vergütungszeitraum, mit ein paar Handgriffen, damit sich Co-location-Batteriespeicher, die direkt am gleichen Netzverknüpfungspunkt wie Wind- und Solaranlagen einspeisen, durch netzdienliche Fahrweise refinanzieren können und nicht nach der Logik der Strombörse und mit integrierten Strategien für Biomasse und Wasserkraft, die als heimisches Backup zur Verfügung stehen. Es gibt viele einfache Stellschrauben, in die Richtung einer neuen Energiemarktordnung zu arbeiten.

SOLARZEITALTER: Die gleiche Unruhe löst der durchgesickerte Referentenentwurf zum EEG 2027 aus. Die ohnehin schon geringe Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen soll ganz abgeschafft werden…

Simone Peter: Die kleinen PV-Anlagen auf Dächern sind unverzichtbar für die Energiewende. Durch sie wird dezentral Strom erzeugt, der direkt zu den Bewohnern der Gebäude geleitet und von ihnen gespeichert oder verbraucht wird. Völlig grotesk ist der Plan zur Verpflichtung, den Strom der kleinen Anlagen an der Strombörse direkt zu vermarkten, was technisch und wirtschaftlich für Einfamilienhäuser uninteressant ist und zudem auch kaum Direktvermarkter zur Verfügung stehen. Ganz zu schweigen vom Smart-Meter-Rollout, der ebenfalls eine Grundvoraussetzung für mehr Eigenverantwortung ist. Der Vorschlag würde  die Bürger-Energiewende also massiv ausbremsen. Anstatt hier die Förderung abzuschaffen, sollten die Rahmenbedingungen für Mieterstrom, Energy Sharing mit der Nachbarschaft und die intelligente Verknüpfung der dezentralen Erzeuger mit Batterien, E-Autos (bidirektionales Laden) und Wärmepumpen verbessert werden. Wenn das in den nächsten Jahren konsequent angepackt wird, kann parallel die Einspeisevergütung in kleinen Schritten reduziert werden. Gift für die Energiewende ist allerdings ein abrupter Förderstopp.

SOLARZEITALTER: Der Ausbau der Windenergie gerät durch überzeichnete Ausschreibungsrunden und sinkende Zuschläge unter Druck. Ist die Schmerzgrenze erreicht?

Simone Peter: Durch die Altmaier-Delle ab 2017 hat die Windbranche eine harte Zeit durchlebt. Im Zuge der weiteren Krisen sind einige Kostenfaktoren massiv gestiegen, man denke nur an Baukosten und Zinsen. Bis 2024 hatten wir unterzeichnete Ausschreibungsrunden und stabile Zuschläge. Inzwischen zeigen die Erfolge der Ampelregierung seit dem Osterpaket 2022 Wirkung. Die Zahl der Genehmigungen ist drastisch gestiegen. Dies führt nun zu stark überzeichneten Ausschreibungsrunden und einer Senkung der Zuschläge um rund 15 Prozent – von rund 7 auf 6 Cent/kWh. Die Windbranche steht seither unter enormem Druck. Überall wird nachverhandelt, insbesondere bei den Pachtentgelten für die Flächennutzung zur Errichtung der Windenergieanlagen. Hier bestand auch Luft nach unten, worauf einer meiner Vorgänger als BEE-Präsident, Johannes Lackmann, hier im SOLARZEITALTER hingewiesen hat. Die Luft wird allerdings schon jetzt dünn durch die gesunkenen Zuschläge. Für viele sog. Schwachwindstandorte ist die Schmerzgrenze längst erreicht oder schon überschritten. Wir müssen also aufpassen, dass im Koalitionsvertrag angesprochene Überprüfungen des EEG, etwa beim Referenzertragsmodell, nicht zu einem Abwürgen des Zubaus führen. Die Windbranche kann einen kontinuierlichen Beitrag zu sinkenden Kosten bei Strompreisen leisten – ganz allgemein und besonders bei Direktlieferungen an Großverbraucher der Industrie und zur Wärmeversorgung mit Großwärmepumpen. Man darf die Windenergie aber nicht überfordern und das Kind mit dem Bade ausschütten. Es ist gut, dass die sieben grünen Energieminister/innen der Länder darauf jetzt reagiert und u.a. die Anhebung des Ausschreibungsvolumens gefordert haben.

Ganz entscheidend für den Fortgang der Energiewende ist es, mit dem EEG einen gleichmäßigen Ausbau der Erneuerbaren in ganz Deutschland zu ermöglichen, also auch noch viel stärker im Süden und in der Mitte. Durch die Gesetze der Ampel hat sich die Situation schon verbessert, insbesondere was neue Genehmigungen angeht, aber auch der Zubau zieht an. Neben der Erhöhung des Ausschreibungsvolumens und deutlich mehr und schnelleren Netzanschlüssen kann auch das Referenzertragsmodell einen Beitrag leisten. Der Bundesverband Windenergie schlägt zum Beispiel vor, Abschattungsverluste von über zehn Prozent sowie Maßnahmen des Sektormanagements nicht mehr über das Referenzertragsmodell zu kompensieren. 

Ein dezentrales System mit breit gestreuten EE-Anlagen im ganzen Land ist systemisch und kostenmäßig einem zentralisierten System überlegen. Diese Maxime hat Hermann Scheer geleitet und sie sollte der Bundesgesetzgeber auch beim EEG 2027 weiterhin beherzigen.

SOLARZEITALTER: Was sagst Du zur Abschaffung des sog. „Heizungsgesetzes“ und die Eckpunkte der schwarz-roten Koalition für ein Gebäudemodernisierungsgesetz?

Simone Peter:  Die Kehrtwende beim Gebäudeenergiegesetz ist ein schwerer Fehler. Die gesamte Wertschöpfungskette von Handwerkern, Schornsteinfegern, Energieberatern bis hin zur Heizungsbauindustrie haben sich auf die Vorgabe des 65 Prozent Erneuerbaren Anteils eingestellt. Diese Grundlagen nun wieder zu verändern, schadet nicht nur der Planungssicherheit, sondern wirft einen zentralen Transformationsbereich zurück, der für Klimaschutz wie für Investitionen gleichermaßen wichtig ist. Die sog. „Biotreppe“ suggeriert eine saubere Wärmeversorgung mit Gas- und Ölheizungen, die es aber nicht geben wird und die für Wärmebezieher auch zu teuer ist. Zudem ist begrenzte Ressource auch schon in der Treibhausgasquote für Kraftstoffe im Zuge der Debatte um die Aufweichung des sog. Verbrennerverbots verplant. Das ist alles wenig durchdacht. Längst überfällig für die Branche ist eine Biomassestrategie, die den Bioenergieanlagen endlich eine Perspektive gibt. Viele Anlagen laufen aus der EEG-Vergütung aus, sollten aber  in effizienten Anwendungen, wie der Kraft-Wärme-Kopplung, und auch als Flexibilitätsoption unbedingt weiter betrieben werden. Damit können sie erhebliche Erdgaskapazitäten im Strom- und Wärmesektor ersetzen, denn sie sind als dezentrales heimisches Backup kostengünstiger und systemdienlicher. Dem Biomassepaket I muss daher schnell ein Biomassepaket II folgen.

Hoffnung macht die starke Entwicklung der Wärmepumpe, die im Jahr 2025 von der Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbrauchern bei Neuanschaffungen eingesetzt wird – sie führt mit einem Anteil von 55 Prozent. Wenn das Förderprogramm für effiziente Gebäude (BEG) fortgeführt und klug weiterentwickelt wird, besteht eine Chance, dass im Heizungskeller eine Abstimmung mit den Füßen stattfindet und der Rollback zu Erdgas und Heizöl ausbleibt. Wer wird angesichts der Krisen in den erdöl- und erdgasexportierenden Ländern dieser Welt noch alte fossile Heizungen kaufen? Trotz der unnötigen Gesetzesnovelle bleibe ich optimistisch, dass sich die Vernunft durchsetzen wird.

SOLARZEITALTER: Nach Deiner Zeit an der Spitze des BEE: Woran arbeitest Du heute, und wo siehst Du Deine Rolle in der Energiewende der kommenden Jahre?

Simone Peter:  Nach vielen Jahren intensiver politischer Verbands- und Parteiarbeit konzentriere ich mich heute stärker auf praktische Transformationsfragen. Im Mittelpunkt steht die Integration Erneuerbarer Energien ins Energiesystem, insbesondere auf dezentraler Ebene – etwa durch die Modernisierung der Verteilnetze, das Zusammenspiel fluktuierender und steuerbarer Erneuerbarer sowie von Speicherlösungen und intelligenten Anwendungen vor Ort. Dazu gehört auch das wichtige Thema der Verbraucherflexibilität, insbesondere dem bidirektionalen Laden, also der Sektorenkopplung zwischen Strom und Mobilität, die mich schon seit Jahrzehnten umtreibt, aber auch die Kopplung von Strom- mit Wärmesystemen. Diese neuen Möglichkeiten der bürgernahen Energieversorgung, -verteilung und des -verbrauchs sind für die Resilienz eines künftigen Energiesystems in geopolitisch herausfordernden Zeiten entscheidend. In der Verbändefamilie bleibe ich aber als Mitglied des Vorstands der European Renewable Energy Federation weiter aktiv.

Das Interview führte Fabio Longo.